Er wird wahrscheinlich nie in einer verschlossenen Zelle sitzen. Doch dass der Oberste Gerichtshof Chiles die Immunität von Augusto Pinochet aufgehoben hat und damit die Strafverfolgung zulässt, ist ein beachtliches Signal - weit über den Andenstaat hinaus. Schon heute entfaltet der Pinochet-Effekt in ganz Lateinamerika heilsame Wirkung. Gerade haben in Brasilien Parlamentarier die Strafverfolgung von Alfredo Strössner gefordert, der berüchtigte paraguayische Exdiktator lebt dort bislang unbehelligt im Exil. In Argentinien warten Jorge Videla und acht weitere Mitglieder seiner Junta trotz heftiger Proteste des Militärs hinter Gittern erneut auf einen Prozess. Und in Uruguay sucht eine Kommission nach den Verschwundenen der Militärdiktatur. Noch vor einem guten Jahrzehnt war ein solcher Siegeszug der Menschenrechte schier undenkbar. Die einzige Hoffnung auf eine ruhige politische Zukunft Lateinamerikas schien im Vergessen zu liegen. Doch die Albträume wollten nicht weichen. Nun können sie für alle Zukunft gebannt werden - dank dem wachsenden Selbstbewusstsein der jungen Demokratien und der rechtsstaatlichen Entwicklungshilfe des Westens. Der chilenische Autor Ariel Dorfman hat seine Lehre so formuliert: "Mitunter ist es richtig, das Unmögliche zu träumen, zu wünschen und laut zu fordern. Vielleicht lauscht die Geschichte ja doch." Das heißt in diesem Fall nichts anderes als: Diktatoren aller Länder - fürchtet euch!*