Wenn in Moabit der Zeitungsbote zu spät kommt, dann kann dies Folgen für Leser in der ganzen Welt haben. Denn in dem struppigen Berliner Bezirk ist die Redaktion der Internet-Seite www.perlentaucher.de beheimatet, die dringend auf das pünktliche Eintreffen der morgendlichen Zeitungen angewiesen ist. Die Perlentaucher stellen täglich bis spätestens 9 Uhr eine Übersicht über die Kulturteile der überregionalen deutschsprachigen Zeitungen ins Netz.

Dabei sind die Frankfurter Allgemeine, die Süddeutsche Zeitung, die tageszeitung, die Frankfurter Rundschau und die Neue Zürcher Zeitung, am Donnerstag kommt noch die ZEIT dazu.

Dieser Feuilletonüberblick folgt dem Muster der Zeitschriftenschauen, wie man sie seit langem aus den Tagesblättern kennt: kurze Inhaltsresümees werden mit charakteristischen Zitaten illustriert. Dazu kommt aber als Eigentümlichkeit des Netzes zu jedem besprochenen Artikel der Link, der zur Website der Zeitung führt, in der er steht. Denn außer der FAZ, die sich noch ziert, sind alle vom Perlentaucher berücksichtigten Blätter großzügig im Netz vertreten.

Man erhält also eine Übersicht, die man mit einfachem Mausklick vertiefen kann: Der Wagner-Freund kann beispielsweise fünf aktuelle Rezensionen der neuen Bayreuther Aufführungen vergleichen. Das Netz dürfte so den Zeitungen ein zusätzliches, meist hochtrainiertes und interessiertes Publikum zuführen.

Denn wer will sich schon jeden Morgen einen Stapel von fünf oder mehr Zeitungen ins Haus holen?

Am Nachmittag kommt dann die Bücherschau des Tages hinzu, die Auswertung sämtlicher Buchbesprechungen in den herangezogenen Zeitungen. Die Bücherschauen werden in einer Datenbank vorrätig gehalten und sind durch eine überdurchschnittlich intelligente Suchmaschine erschlossen. Wer wissen will, welche französischen Romane des 19. Jahrhunderts jüngst auf Deutsch erschienen sind, erhält prompte Auskunft. Den Perlentaucher gibt es erst seit Mitte März dieses Jahres

im Lauf der Zeit kann er zu einem großen Kulturarchiv werden. Darüber hinaus unterrichtet eine Magazinrundschau über wichtige Artikel nicht zuletzt aus englischsprachigen Organen wie dem Economist, der New York Review of Books, dem Atlantic Monthly. Jeder kann sich auf diese Weise bequem intellektuell auf dem neuesten Stand halten, auch wenn seine örtliche Buchhandlung die edlen Blätter nicht ausliegen hat.