Das einfache Rezept für jeden, der mit Aktien Geld verdienen will: Kursraketen schneller erkennen als andere Anleger. Kaufen, bevor sie zünden.

Und verkaufen, bevor die Konkurrenz bemerkt, dass der Höhenflug endet.

Finanzdienstleister wie die Fiduka Vermögensverwaltung haben dieses Ideal zum Konzept für ihre Investmentfonds gemacht: Antizyklisches Investieren nennt man das. Bei der Fiduka hat Gottfried Heller das Sagen, ein prominenter Geldverwalter. Heller gründete die Gesellschaft in den siebziger Jahren zusammen mit dem 1999 verstorbenen Börsenguru André Kostolany. In seinen Zehn Prinzipien für eine erfolgreiche Geldanlage rät Heller: "Laufen Sie keinen Modetrends hinterher. Wenn alle an der gleichen Stelle nach Gold suchen, sind die Chancen, dass Sie etwas finden, sehr gering. Kaufen Sie, wenn die Mehrheit verkauft und umgekehrt."

So etwas ist "nur ein Marketinggimmick", sagt Thomas Meyer zu Drewer. Er leitet das Fondsmanagement der Anlagegesellschaft Activest. Sie gehört zur HypoVereinsbank und ist eine der vier großen Fondsgesellschaften in Deutschland. "Auch eine Fondsgesellschaft unterliegt dem Markttrend und muss das tun, was das Publikum will", sagt Meyer zu Drewer. Und das Publikum wolle eben, dass sein Investmentfonds bei den großen Trends mitverdient. Im allgemeinen Markttrend werden Aktien vor allem dann gekauft, wenn ihre Kurse steigen - und verkauft, wenn sie fallen. Der Neue Markt hat in seiner Boomphase vorgemacht, warum das so ist: Befindet sich die Aktie eines Unternehmens in einer Aufwärtsbewegung, finden sich sehr schnell Menschen, die daran verdienen möchten. Also kaufen sie. Die Zahl der nachgefragten Wertpapiere wird irgendwann größer als das am Markt vorhandene Angebot - der Kurs steigt. Große Investoren, die viele Aktien auf einmal kaufen, können auf diese Weise Aktienkurse regelrecht treiben. Besonders anfällig für solche Reaktionen sind die Papiere von Unternehmen, die verhältnismäßig wenige Aktien an der Börse platziert haben. Typisch waren die Fälle vieler Internet-Unternehmen. Ende des vergangenen und Anfang dieses Jahres waren ihre Aktien trendy. Analysten empfahlen, Wirtschaftsjournalisten bejubelten und jedermann wollte sie. Folge: Es ging steil und stetig aufwärts.

Dieser Kreislauf findet regelmäßig dann sein Ende, wenn die ersten Anleger ihre Kursgewinne zu Bargeld machen wollen und ihre Aktienpakete verkaufen.

Dann verkehrt sich der Trend in sein Gegenteil: Um möglichst wenig zu verlieren, werden immer schneller immer mehr Aktien verkauft. Das Angebot an Wertpapieren wird größer, und der Kurs rauscht weiter in den Keller.

Laut Börsenlexikon nutzt ein antizyklischer Investor einen solchen allgemeinen Abwärtstrend zum Kauf. Erst wenn die Kurse wieder steigen, wird verkauft. Der Grund: "Bei Titeln, die in Mode sind, gibt es zu viel Luft nach unten." Das sagt Felix Schleicher, bei der Fiduka zuständig für Aktienanalyse und Fondsmanagement. Noch vor kurzem seien Nokia oder Deutsche Telekom für jeden zyklischen Fonds Pflicht gewesen. Als die Werte dann abstürzten, haben viele den Ausstieg verpasst. Eine sinnvollere Strategie sei es, bei fallenden Kursen stetig Aktien nachzukaufen, sagt Schleicher, "wenn es sein muss, auch zwei- oder dreimal". Wenn der Kurs irgendwann wieder nach oben dreht, sei man auf jeden Fall mit dabei.