Die Zeit: Herr Lehrl, stimmt es, dass Menschen im Urlaub zu verblöden drohen?

Siegfried Lehrl: Wenn wir uns nicht täglich geistig trainieren, sondern faulenzen, lassen wir nach. Wenn wir nicht gefordert werden, sinkt der Intelligenzquotient schon nach fünf Tagen im Schnitt um fünf Punkte.

Zeit: Um wie viel kann mein IQ absinken, wenn ich mich drei Wochen auf die faule Haut lege?

Lehrl: Um 20 Punkte. Auch die Gedächtnisleistung lässt nach. Das ergaben Studien mit Krankenhauspatienten, die nichts zu tun hatten.

Zeit: Wie können Sie von Krankenhauspatienten auf Faulenzerurlauber schließen?

Lehrl: Wir haben Situationen gesucht, in denen Leute geistig nachlassen. Ein untrügliches Zeichen ist das Gefühl von Langeweile. Bei einem Höhlenexperiment in den USA konnten die Versuchspersonen sich nur ausruhen, lesen und Schallplatten hören. Nach 14 Tagen war ihr IQ signifikant schlechter. Da kam die Idee, im Urlaub müsste es auch so sein. Die direkte Studie fehlt noch, aber die Belege sind recht zwingend. Zwei Drittel der Urlauber, so ergab die Schnellumfrage eines Instituts, langweilen sich im Urlaub über weite Strecken.

Zeit: Was sind denn nun genau die Gründe für den rapiden geistigen Verfall?