So wie Claudia Beushausen geht es jedes Jahr vielen Deutschen, die eine Arbeit im Ausland aufnehmen. Kulturelle Unterschiede führen zu Missverständnissen und Konflikten. Nach Schätzungen des Instituts für Interkulturelles Management (Ifim) in Bad Honnef scheitern 15 bis 30 Prozent der Auslandseinsätze. Wer ins Ausland geht, um zu arbeiten, muss Geduld und Einfühlungsvermögen aufbringen, um die Gewohnheiten der Kollegen oder Geschäftspartner zu begreifen. Hilfe bieten auch Kurse in Interkulturellem Management, die von zahlreichen Instituten und Trainern angeboten werden.

In Singapur, das vermittelt etwa Bastian Broer vom Ifim den Kursteilnehmern, gehe es privat wie beruflich darum, sein Gesicht nicht zu verlieren. "Öffentlicher Widerspruch führt zu Gesichtsverlust", sagt Broer. In Asien sollten Wut, Ärger oder Ungeduld auf keinen Fall gezeigt werden. Claudia Beushausen hätte in den Verhandlungen mit ihrem Chef die "harmonische Grundstimmung" erhalten müssen.

"Jeder arbeitet für sich", schildert die Bioingenieurin eine weitere Erfahrung in Singapur. "Teamarbeit ist weitgehend unbekannt, und Informationen, die Kollegen nutzen können, werden nicht weitergegeben." Jedes bisschen Wissen müsse man sich mühsam und zeitraubend selbst zusammensuchen. Auch hier weiß der Asienspezialist Broer Rat: "In Asien werden Geschäfte nach eigenen Gesetzen gemacht. Sie brauchen guanxi, ein Netz von Beziehungen, das gepflegt werden muss."

Bastian Broer gibt in seinen Kursen auch Tipps für Einladungen und das Alltagsleben. Wer weiß schon, dass man in Singapur - auch unter Männern - beim Händeschütteln nicht so fest zudrückt, bei privaten Einladungen wegen des negativen Symbolgehaltes keine (Schweizer) Messer, Blumen oder Wecker verschenkt und besser nicht bei Rot über die Ampel läuft, weil sonst ein hohes Bußgeld gefordert wird?

Ratschläge für Einsätze in Asien hat auch Xueli Yuan parat. "Ein Chef in China hat nicht nur das Recht, repräsentativ aufzutreten, er ist dazu verpflichtet", sagt er. Der gebürtige Chinese war jahrelang Mitarbeiter im Büro des chinesischen Staatsrats für ausländische Experten und berät jetzt deutsche Firmen und Institutionen bei Verhandlungen mit chinesischen Delegationen.

Die eigentliche Lehrzeit beginnt in der neuen Heimat

Yuan bereitet nicht nur Manager auf Auslandsaufenthalte vor, sondern berät sie auch, wenn Probleme auftreten. Der deutsche Spitzenmanager eines deutsch-chinesischen Unternehmens in Shanghai zum Beispiel wollte sich ein asiatisches Auto kaufen. Seine chinesischen Kollegen jedoch bedrängten ihn, er solle einen großen deutschen Wagen bestellen. Ein anderer deutscher Abteilungsleiter radelte gar in die Firma. "Ein Chef, der in China ein kleines Auto oder ein Fahrrad fährt, wirkt nicht etwa sozial kooperativ und frei von Dünkeln oder sportlich", sagt Yuan, "sondern schlichtweg peinlich." Die Angestellten achteten selbst darauf, dass die Größe der Autos genau mit dem jeweiligen Rang übereinstimmt. "Nur dann ist die Welt in Ordnung", sagt Yuan.