Wagner: Guten Morgen Herr Wagener.

Wagener: Frau Wagner, am Wochenende erlebten wir als Beobachter in Gießen so etwas wie die Beweisumkehr auf Seiten Ihrer Partei. Roland Koch soll jetzt belegen, dass er von der Schwarzgeld-Affäre nichts wusste. Vorher hatte er so etwas wie einen Vertrauenspersilschein. Täuscht der Eindruck?

Wagner: Nein, das ist ja nicht wahr. Sowohl die Beurteilung des "Spiegel" ist sehr merkwürdig. Der "Spiegel" hat mich nicht gefragt, wie meine Gefühle beim Regieren sind, ob ich überglücklich, glücklich oder sonst was bin. Das sind alles Erfindungen von Leuten, die nie mit mir geredet haben. Das zweite ist: Es gibt überhaupt keine Beweisumkehr. Wir tun das, was der Landesparteitag uns gemeinsam auferlegt hat, nämlich die CDU aufzufordern, entweder selbst, was sie kann, ihren Finanz- und Parteiskandal aufzuklären. Das hat sie in Teilen in den letzten Wochen getan, indem sie zum Beispiel selbst die Akten, die ihr von der Staatsanwaltschaft überlassen worden sind, gesichtet hat und uns mitgeteilt hat, wo sie Probleme sieht. Daraufhin haben wir erst diese Dinge beurteilt. Wir haben zweitens den Auftrag unseres Parteitages, im Untersuchungsausschuss die Vorwürfe endgültig zu klären, und daran arbeiten wir mit. An dem Auftrag hat sich also überhaupt nichts verändert.

Wagener: Aber Sie werden zugeben müssen, dass die Situation schlechter geworden ist im Vergleich zu einigen Wochen vorher?

Wagner: Sie ist insofern schlechter geworden, als das eingetroffen ist, was sich möglicherweise in den letzten Tagen und Wochen verdichtet hat, dass nämlich Widersprüche für ein Kabinettsmitglied in den Aussagen, die Herr Jung beim Berliner Untersuchungsausschuss getroffen hat, und dem, was uns an Akten vorgetragen worden ist und was sich offensichtlich jetzt nicht aufklären lässt, festgestellt worden sind. Das hat sich geändert, und deshalb haben wir der CDU die Empfehlung gegeben, dass Herr Jung daraus die persönlichen Konsequenzen zieht. Das ist einmütig vom Landesvorstand gebilligt worden und ich glaube, dass diese Haltung richtig ist. Daran können auch einzelne Stimmen aus anderen Landesverbänden nichts ändern.

Wagener: Mal unabhängig davon, wie die Sache nun weitergeht. Das bisher bekannte, illegale Spenden wurden in den Haushalt eingespeist, ein Kassenbuch wurde vernichtet und ein neues wieder angelegt, reicht doch eigentlich für eine Koalitionsaufkündigung?

Wagner: Erstens wissen Sie und ich nicht, ob es illegale Spenden sind. Das behaupten Sie jetzt. Das ist nicht bewiesen. Zweitens hat für diese Manipulation des Anlegens neuer Kassenbücher derjenige, der das gemacht hat, die Konsequenzen ziehen müssen. Das war der Generalsekretär Müller. Daraufhin ist er sofort entlassen worden.