Der Dialog, wenn er je stattgefunden hat, war aber ausgerechnet mit den arabischen Intellektuellen immer schon der schwierigste gewesen. Die geistige Elite der arabischen Welt hat fast ausnahmslos den Handschlag zwischen Jassir Arafat und Jitzhak Rabin vor dem Weißen Haus 1993 missbilligt. Weil sich der Friedensprozess nicht so entwickelte wie geplant, fühlt sie sich in ihrer Kritik nur bestätigt. Es ist bemerkenswert, dass gerade jetzt, da Jassir Arafat ernsthaft über einen Palästinenserstaat verhandelt, die Idee von einem binationalen Staat bei Intellektuellen an Popularität gewinnt. Dafür gibt es mehrere Gründe: sie bezweifeln, dass der lang ersehnte Staat wirklich unabhängig von Israel und lebensfähig wäre; sie fürchten sich vor einem undemokratischen Regime; und sie schrecken vor dem letzten Schritt der Anerkennung Israels als jüdischer Staat zurück. Es wäre das Ende von dem großen Traum, von dem man sich so lange ernährt hat.

Die Generäle reden miteinander, während die Autoren Krieg führen, hat der israelische Schriftsteller Yoram Kaniuk vor ein paar Jahren geschrieben. Je weiter man vom Ort des Geschehens weg ist, so scheint es, desto hehrer sind die Prinzipien, in deren Namen man sich von dem Versöhnungssprozess distanziert. Der Psychologe Dan Bar-On erklärt sich das mit der Angst, den Anschluss an die Entwicklung zu verpassen. "Wer draußen lebt, will lieber den Istzustand bewahren, als sich auf neue Dinge einlassen. Denn jede Veränderung birgt die Gefahr des Ausgeschlossenseins." Das Phänomen gibt es auch auf der jüdischen Seite, unter den Intellektuellen in der Diaspora. Manche Juden in den Vereinigten Staaten zum Beispiel hielten sich dort genauso an die reine Lehre wie Edward Said, sagt Bar-On.

Für die geistige Elite in Israel trifft das Gegenteil zu. Sie hatte die Vorreiterrolle in der Annäherung an die Palästinenser. Die Schriftsteller waren die Ersten, die nach 1967 trotz des offiziellen Verbots Kontakte zur PLO aufnahmen. Als der wichtigste Brückenbauer gilt bis heute Emil Habibi. Der verstorbene arabisch-israelische Schriftsteller aus Haifa hielt eine gegenseitige Annäherung ohne den Beitrag der Autoren für unmöglich. "Unser Prestige in der arabischen Welt, das größer ist als im Westen, kann viel in Bewegung setzen. Die Literatur muss sich politisch engagieren", hatte er vor fünf Jahren gesagt. Auf beiden Seiten falle den Intellektuellen die Aufgabe zu, je ihre Gesellschaft für ein Zusammenleben reifer zu machen.

Konkurrenz der historischen Erfahrung

Schon vor 20 Jahren hatte Habibi regelmäßige Treffen zwischen jüdischen und arabischen Schriftstellern initiiert. Der Versuch der Annäherung verlangte zunächst, sich gegenseitig die Wunden zu erklären. Das war schwierig, weil es keine gemeinsame Geschichte gibt. Die Juden, traumatisiert vom Holocaust, hatten ihr Leid in Europa; das Trauma der Araber, die nakba, beruhte auf der Staatsgründung Israels. Was verband, waren der gemeinsame Kampf gegen die Besatzung und Zukunftsentwürfe.

Nach dem Ausbruch der Intifada formulierte das Komitee um Habibi 1988 ein symbolisches Friedensabkommen, das Jerusalem zur Hauptstadt zweier Staaten erklärte. Jassir Arafat, der damals noch in Tunis residierte, soll diesen Vorschlag zur Grundlage für seine spätere Versöhnungspolitik genommen haben. Als der PLO-Chef 1994 offiziell in den Gaza-Streifen einzog, hatte er die Mitglieder des Komitees nicht vergessen. "Wir waren die ersten Juden, die Arafat bei sich empfangen hatte", erzählt der Dichter Nathan Zach. Er hat von dieser Begegnung ein Foto aufbewahrt, das die Emotionen auf den Gesichtern festhält. Heute würde ein solches Treffen ihm wohl nicht mehr die Röte in die Wangen treiben. Daran lässt sich die Wegstrecke ablesen, die zurückgelegt worden ist.

Die arabischen Intellektuellen treten allerdings lieber auf der Stelle. Nathan Zach ist gerade aus Lodève in Südfrankreich zurück, wo sich Dichter unter dem Motto "Voix de la Méditerranée" getroffen hatten. Aus Protest gegen seine Anwesenheit waren die ägytischen Teilnehmer allen gemeinsamen Veranstaltungen fern geblieben. Mit Ausnahme von Nagib Mahfuz, dem betagten Literatur-Nobelpreisträger, sind bis heute weder Schriftsteller aus Ägypten noch aus Jordanien bereit, sich mit Israelis zu treffen. Wer es dennoch tut, riskiert den Ausschluss aus dem Berufsverband. Dass beide Staaten offizielle Friedensverträge mit Israel unterzeichnet haben, ändert daran nichts.