In Flughäfen und Hotels gehört das Netz zum Service

W-LAN - Wireless Local Areas Network heißt die Technik, die den Laptop ohne Kabel mit dem Internet verbindet. Der technische Standard für ein solches "drahtloses lokales Netz" ist seit einigen Monaten weltweit genormt. Schon bald werden weltreisende Geschäftsleute in vielen Flughäfen und Hotels ihre Laptops ohne lästige Kabel und die verzweifelte Suche nach dem passenden Adapter für die Telefonbuchse benutzen - kostenlos wie Kaffee und Zeitungen, die schon lange zum Service gehören. Zwei Monate nach dem Flughafen in Singapur hat das Berliner Hotel Interconti den drahtlosen Internet-Zugang für Konferenzgäste eingerichtet. Und Carsten Bormann hat mit der Technik, die ihn in Singapur so begeisterte, inzwischen nicht nur die Büroetagen des Bremer Technologie-Zentrums ausgestattet. Auch die Bremer Stahlwerke lassen sich von ihm ein firmeninternes Netz aufbauen.

Das mit Abstand größte europäische W-LAN findet sich allerdings jenseits der geschniegelten Welt von Hotels, Flughäfen und Vorstandsetagen. Sein Herz pocht in einem abgeschabten Plattenbau in der Südstadt von Rostock. Hier ist das Institut für Technische Informatik der Rostocker Universität zu Hause. "Ein Studium ist heute ohne Computer doch gar nicht mehr möglich", sagt Professor Djamshid Tavangarian, der Leiter des Instituts. Trotzdem müssen Rostocker Studenten bisher oft Schlange stehen, um an einen der begehrten Arbeitsplätze in den Rechnerräumen zu kommen. Das soll sich nun ändern.

Rund 60 der 300 über das gesamte Rostocker Stadtgebiet verteilten Universitätsgebäude hat Tavangarian zusammen mit einer Studentengruppe bereits mit dem drahtlosen Internet-Zugang versehen. Wer einen Laptop besitzt und ihn sich im Rechenzentrum mit einer kleinen Funkkarte ausrüsten lässt, kann nun jeden beliebigen Hörsaal, die Bibliotheken, Flure, Cafeterien oder die Mensa als Arbeitsraum nutzen. Auch einige Studentenwohnheime liegen im Empfangsbereich des W-LAN. Trotz geringer Sendeleistung - sie ist zehnmal niedriger als bei Handys - bieten die über die Gebäude verteilten kleinen Sende- und Empfangsstationen schon heute eine abhörsichere Datenübertragung mit fast 200facher ISDN-Geschwindigkeit. Bis 2003 soll sie noch einmal um das Fünffache gesteigert werden.

Trotzdem ist die Technik vergleichsweise billig. Während eine Universität für das Verlegen neuer Kabel zu allen Arbeitsplätzen Millionenbeträge ausgeben muss, hat das Rostocker Projekt bisher nicht mehr als 350 000 Mark gekostet. Und es funktioniert; die ersten 250 Funkkarten sind bereits in Benutzung. Damit möglichst viele Rostocker Studenten in den Genuss des drahtlosen Internet-Zugangs kommen, plant Tavangarian für den Beginn des Wintersemesters eine große Werbekampagne. Gerade führt er Verhandlungen mit den Herstellern von Laptops und Funkkarten. Die Unternehmen wittern den Einstieg in einen Milliardenmarkt und bieten günstige Leasingverträge für Studenten. Nicht mehr als 100 Mark im Monat werden sie für einen Laptop mit W-LAN-Anschluss zahlen müssen.

Dabei ist die Entlastung der Rechnerräume nur einer von vielen Vorteilen, die das drahtlose Universitätsnetz bieten soll. "Mit W-LAN versorgen wir auch Gebäude, die nur mit viel Aufwand verkabelt werden könnten", sagt Tavangarian und nennt als Beispiel die denkmalgeschützte Aula der Universität. Da über das W-LAN auch Sprache übertragen werden kann, wird es die Grundlage eines universitätseigenen Funktelefonnetzes bilden. Und wer mit seinem Laptop in der Universität unterwegs ist, soll sich dort künftig auch drahtlos mit öffentlich zugänglichen Druckern verbinden können. Für jede ausgedruckte Seite werden dann ein paar Pfennige von einem Konto abgebucht, das die Nutzer zuvor wie bei einer Kopierkarte aufladen müssen. Denkbar ist auch eine "spontane Rechnerkommunikation", die zum Beispiel für den ständigen automatischen Abgleich der Daten zwischen dem mobilen Laptop und dem stationären Computer im Büro sorgt.

Am wichtigsten aber, da ist der Informatiker überzeugt, wird das drahtlose Netz für den Beginn des Multimedia-Zeitalters in der Lehre werden. Im Hörsaal oder sogar auf Exkursionen können Dozent und Studenten mit ihren Funk-Laptops ein eigenes kleines Netz bilden. Bewegte Schaubilder erscheinen dann gleichzeitig auf den Bildschirmen aller Seminarteilnehmer und können in der Diskussion ergänzt oder verändert werden. Seminarpapiere muss der Dozent nicht mehr kopieren, sondern kann sie direkt auf die Computer der Studenten leiten. Recherche im Internet - eines der wichtigsten wissenschaftlichen Hilfsmittel - ist keine trockene Theorie mehr, die Studenten können gleich mit der Praxis beginnen.