Diesen Ansatz versuchen jetzt ausgerechnet die Vereinten Nationen (Uno) - jene Organisation, die noch vor zwei Jahrzehnten zu den schärfsten Kritikern der transnationalen Unternehmen gehörte und einst sogar eine strenge "Aufsichtsstelle" für die Multis schaffen wollte. Vor zwei Wochen trafen sich im UN-Hauptsitz am New Yorker East River Vertreter von 45 internationalen Konzernen - und außerdem Delegierte von Arbeitgeberverbänden, Gesandte von Gewerkschaften und einem Dutzend Umwelt- und Menschenrechtsgruppen. Sie unterzeichneten den Global Compact: eine Vereinbarung, in der sich die Unternehmen dem Umweltschutz, den Arbeiter- und Menschenrechten verpflichten.

Der Pakt ist der jüngste in einer langen Reihe von Versuchen, weltweit tätige Firmen an all ihren Standorten zu verantwortungsvollen "Unternehmer-Bürgern" (corporate citizens) zu machen. Bürgergruppen haben in den vergangenen Jahren Erfolge mit Boykottdrohungen und Demonstrationen gefeiert: Sie zwangen zum Beispiel Konzerne wie die Sportschuhhersteller Nike und Reebok, ihre Unternehmenspolitik in Entwicklungsländern zu ändern. Zahlreiche Unternehmen haben inzwischen aus eigener Initiative interne Verhaltenskodizes aufgestellt. Die OECD aktualisierte gerade erst ihre Richtlinien für die weltweiten Geschäfte der Multis - als Vorlage, an der sich solche freiwilligen Firmenkodizes orientieren sollen.

Das Neunpunkteprogramm im Global Compact fordert die Unternehmen - ebenfalls auf freiwilliger Basis - dazu auf, schon lange bestehende Prinzipien der Uno zu achten. Im Rahmen ihrer Einflussmöglichkeiten sollen sie für die Abschaffung der Kinder- und Zwangsarbeit sorgen, Diskriminierung am Arbeitsplatz beenden und sich für Gewerkschaftsrechte, einen wirksamen Umweltschutz und die Verbreitung umweltfreundlicher Technologien einsetzen. Unterzeichnet haben bisher unter anderem DaimlerChrysler, die Deutsche Bank, Bayer, Volvo, Unilever, Royal Dutch/Shell, Nike, die Pharmafirmen Novartis und Aventis und der Industriegigant ABB. "Wo immer sie tätig sind, sollten diese Firmen nicht darauf warten, dass ihnen etwas vorgeschrieben wird", sagt Georg Kell, einziger Deutscher im Kabinett von UN-Generalsekretär Kofi Annan und Autor des Aktionskatalogs. "Sie sollten mit gutem Beispiel vorangehen."

Den Anstoß für den Compact hatte Kofi Annan persönlich gegeben. Er bemüht sich schon seit Amtsantritt um ein besseres Verhältnis zwischen Uno und der internationalen Geschäftswelt - und um den Dialog in Sachen Globalisierung. Weil multinationale Unternehmen für Annan "die Ersten sind, die von der Globalisierung profitieren", müssten sie auch "einen Teil der Verantwortung bei der Bewältigung ihrer Folgen übernehmen". Glaubt man den Worten mancher Firmensprecher, ist die Botschaft auf offene Ohren gestoßen. "Ohne die aktive Beteiligung von Unternehmen und Arbeitgeberverbänden", sagt Michael Hoelz von der Deutschen Bank, seien Fortschritte bei der Lösung der Globalisierungsprobleme nicht erzielbar. Aventis, so der Sprecher Volker Straub, sei dem gesellschaftlichen Leitbild einer "nachhaltigen Entwicklung" verpflichtet, die wie der Global Compact "wirtschaftliche, soziale und umweltbezogene Ziele in Einklang" bringen wolle. Globalisierung verlange von Unternehmen "verantwortungsbewusstes Handeln", meint auch DaimlerChrysler-Repräsentant Matthias Kleinert.

Trotz aller schönen Worte sind im Global Compact keine Sanktionen gegen Firmen vorgesehen, die den Pakt zwar unterschreiben - aber nicht befolgen. Dennoch soll es nicht nur bei Ankündigungen bleiben. Alle Teilnehmer wurden von der Uno aufgefordert, konkrete Aktionen vorzustellen. Daimler verwies schon auf ein Umweltprojekt im Amazonas, Aventis auf seinen Beitrag zu einem weltweiten Immunisierungsprogramm, die Deutsche Bank auf ihren Geschäftskodex, nach dem die Vergabe von Krediten strengen moralischen Standards unterliege. Die Uno stellt solche Beispiele ins Internet (http://www.un.org/partners/business).

Zugleich wollen sie im Dialog mit Firmen, Gewerkschaften und weltweit tätigen Umwelt- und Menschenrechtsgruppen wie amnesty international oder Oxfam einen Katalog "bester Praktiken" unter den Unternehmen erstellen. Das soll ein Ansporn für Manager und Geschäftsleute sein - aber auch lokalen Initiativen Material an die Hand geben, mit dem sie auf Regierungen, Unternehmen und Konzerne einwirken können.

Die UN-Organisatoren hoffen auf eine Art Massenbewegung: In drei Jahren sollen sich 100 multinationale Konzerne und etwa 1000 weitere Großunternehmen aus allen Teilen der Welt zu den Prinzipien des globalen Aktionsprogramms bekannt haben. Das ist allerdings ein hoch gestecktes Ziel. Amerikas Großkonzerne etwa glänzen auf der Liste der Erstunterzeichner noch durch weitgehende Abwesenheit. Viele denken offensichtlich nicht an eine Teilnahme, weil ihnen die in den UN-Statuten verbürgten Arbeiterrechte schon im eigenen Land ein Dorn im Auge sind.