Konzernkritische Newsgroups, Protestseiten und Parodien auf Weltkonzerne finden sich im Internet gleich zu hunderten - und die Autoren sind mal große bekannte Organisationen, mal entschlossene Einzelkämpfer (http://www.ratical.org/corporations/index.html, http://www.web.net/~mike/).

Eine Regel gilt im anarchischen Cyberspace: Man kann sich als Website-Betreiber besonders schnell einen Namen machen, wenn man sich auf ein einzelnes Unternehmen mit einer bekannten Marke einschießt. Die Anti-McDonald's-Aktivisten bei http://www.mcspotlight.org und http://www.meatstinks.com sind inzwischen weit über das Internet hinaus bekannt. Kaum noch ein Konzern, der nicht das Opfer einer Internet-Kampagne geworden wäre - zum Beispiel der US- Biotech-Multi Monsanto (http://www.monsantos.com), der Software-Riese Microsoft (http://www.archive.org/pres96/parody/microsno.htm), die Ölfirma Shell (http://www.essentialaction.org/shell), der Turnschuhproduzent Nike (http://www.saigon.com/~nike). Manche Vorwürfe mögen noch so absurd klingen, der Marke können sie trotzdem schaden. Procter&Gamble wehrt sich heftig gegen Verschwörungstheoretiker aus dem Internet, nach denen sein Firmenlogo ein satanisches Symbol ist (http://www.pg.com/rumor).

Bei den meisten Modemkriegern läuft die Kommunikation längst in beide Richtungen. In ihren Diskussionsforen können die Besucher auch selber ihre Meinung über die angegriffenen Unternehmen los werden. Noch interaktiver sind die Angebote von http://www.adbusters.org und http://www.subvertise.org konzipiert: Dort stehen Parodien auf Werbekampagnen zur Schau, und die Organisatoren bekommen inzwischen eine Flut von Nachschub aus dem Internet zugesandt. Noch weiter gehen die Betreiber von http://boycott.2street.com/index.phtml: Sie verzeichnen Konzerne, gegen die irgendwer auf der Welt zum Boykott aufgerufen hat. Und die Leute von http://www.rtmark.com suchen online nach "Investoren" für ihre neuesten Protest-Projekte. Man kann für den Online-Versand eines Flugblatts bezahlen, und sogar für den Hackerangriff auf einen Konzern.

Aktivisten im Meatspace

Die meisten Ressourcen im Internet beziehen sich allerdings nach wie vor auf Aktionen in der "richtigen Welt" - im Internet-Jargon der "Meatspace" genannt. Das Internet hilft dabei, dass man als Aktivist in Zeiten der weltweiten Anti-Globalisierungsbewegung nicht den Überblick verliert. Zu großen Protestveranstaltungen wie den WTO-Protesten in Seattle oder bei den Demos gegen die Weltbank und den Internationalen Währungsfonds gibt es stets spezialisierte Veranstaltungskalender im Netz. Orte wie http://www.protest.net/ versuchen, das ganze Jahr über weltweit alle Proteste zu verzeichnen und sie nach Themen ("Globalisierung und Imperialismus") und Ländern zu gliedern.

Ansonsten bleibt nur die Suche auf den Internet-Seiten der Organisatoren, wenn man sich über Veranstaltungen, Themen und Kampagnen auf dem Laufenden zu halten. Ein guter Ausgangspunkt sind die Klassiker unter den Protestgruppen, auch wenn sie sich nicht immer konkret gegen Unternehmen richten, sondern als Schwerpunkt Umwelt- oder Dritte-Welt-Themen bearbeiten: Greenpeace (http://www.greenpeace.org), Friends of the Earth (http://www.foei.org), oder in Deutschland Germanwatch (http://www.germanwatch.org).

Spezifischer um Unternehmen und die Weltwirtschaftsordnung geht es zum Beispiel der amerikanischen Verbraucher- und Protestgruppe Public Citizen (http://www.publiccitizen.org), dem Amsterdamer Akademikerverbund Transnational Institute (http://www.tni.org) oder der Berliner Anti-Korruptionsgruppe Transparency International (http://www.transparency.de). Die Kritischen Aktionäre (http://ourworld.compuserve.com/homepages/critical_shareholders/) greifen die Unternehmen auf ihren eigenen Hauptversammlungen an, das Corporate Europe Observatory (http://www.xs4all.nl/~ceo/observer/) will gegen die Verflechtungen zwischen Big Business und der Politik vorgehen.