VON WEIZSÄCKER: Einen gewissen Einfluss haben große Unternehmen immer gehabt. Ich kann aber nicht erkennen, dass er gestiegen wäre. Die Unternehmen müssen sich ihren Aktionären heute viel verantwortlicher zeigen. Zugleich hat auf den internationalen Märkten der Wettbewerb zugenommen. Ein Konzernmanager war früher viel autonomer.

ZEIT: Den Kritikern geht es aber nicht unbedingt um Personen. Sie kritisieren, dass gerade diese Shareholder-Interessen gelegentlich denen der Nationalstaaten und ihrer Gesellschaften zuwiderlaufen.

VON WEIZSÄCKER: Ich würde nur dann von Macht sprechen, wenn es eine Konzentration von Einfluss auf wenige Personen gibt. Die Shareholder von heute sind eine Millionenschar, die für ihr Alter vorsorgt.

ZEIT: Kollektiv führt der "Shareholder Value" zu bestimmten Verhaltensweisen. Manager müssen noch mehr an die Dividende denken, noch weniger zum Beispiel an Dinge wie den Erhalt von Arbeitsplätzen im Land ihrer Herkunft.

VON WEIZSÄCKER: Natürlich kann es solche Interessenkonflikte geben. Doch nehmen wir Ihr Beispiel. Wenn der Konzern sich unter dem Diktat des Shareholder Value entschließt, Leute zu entlassen, ist das letzlich ein Teil des normalen Strukturwandels und keineswegs ein Machtmißbrauch. Irgendwo fallen unrentable Arbeitsplätze weg, und anderswo entstehen produktivere neue. Das ist hart, aber die Quelle unseres Wohlstands.

ZEIT: Zugleich entsteht ein Erpressungspotential. Große, mobile Konzerne drohen den Politikern mit Abwanderung, wenn die Dinge nicht in ihrem Sinne passieren.

VON WEIZSÄCKER: Ich würde auch hier nicht von Macht sprechen, sondern von Wettbewerb. Die Unternehmen machen sich die Standortkonkurrenz zu Nutze.