Jedenfalls nicht über den Spritpreis. Das bleibt den Brummifahrern vorbehalten. Während diese am Wochenende demonstrierten, beschloss die OPEC, auch auf Druck der EU-Finanzminister, die Ölfördermenge zu erhöhen, um den Preis ein wenig zu stabilisieren. "Die Opec macht 800.000 Fässer auf" schreibt die taz. "Öl und Sprit werden nicht billiger" schlussfolgert der Tagesspiegel in der Schlagzeile des Aufmachers. Die Gründe sind offensichtlich: Die Nachfrage ist hoch, die Reserven sind gering und die Bundesregierung mag von der Ökosteuer nicht abrücken. Da nützt die höhere Fördermenge wenig.

Das versetzt die Welt geradezu in Rage. Im Kommentar auf Seite Eins donnert Wolfram Weimer, die Sprit- und Ökosteuer sei "ebenso willkürlich wie dreist". Diese "Hyperbesteuerung" entstamme noch dem "mentalen Horizont des Lafontaineschen Fiskalsozialismus" - jawohl: Sozialismus. Und dem soll Kanzler Schröder, "der schon manchen gordischen Knoten des Ideologischen zerschlagen" habe, doch bitte ein Ende bereiten. Dass es "kein Grundrecht auf billiges Benzin" gibt, wie der umsichtige SZ-Kommentar ausführt und obendrein die Sozialbeiträge wieder kräftig steigen würden, wenn die Ökosteuer wegfiele, ist der Welt in ihrem Furor entgangen. Selbst die Bild mutet ihren Lesern diese Anmerkungen zu - über ein Interview mit Finanzminister Eichel auf Seite Zwei. Die taz geht sogar noch ein paar Pfennige weiter: sie fordert in ihrem Titelkommentar einen möglichst hohen Energiepreis - der Umwelt zuliebe.

Marc Wallert, der nun endlich und glücklich befreit ist, mögen diese Diskussionen rund ums heilig Blechle noch etwas abseitig vorkommen. Er ist auf dem Weg nach Tripolis, wo Ghadaffi, dessen Unterhändler die Geiseln herausgekauft haben, seinen Erfolg feiern will. Die SZ weist in einer instruktiven Hintergrundseite auf der Zwei darauf hin, was den Philippinern bleibt: die Rebellen der Abbu Sayyaf, die durch die Geiselname schätztungsweise 18 Millionen Dollar Lösegeld eingenommen haben, und nun, liquide, hochgerüstet und personell verstärkt, noch mehr Terror verbreiten werden. Zwei französische Journalisten, ein US-Bürger und 16 Philippiner sind noch ihrer Gewalt.

Von Gewalt gegen Ausländer weitgehend frei scheint das vielgescholtene Österreich zu sein. Die drei EU-Weisen stellten dem Alpenland, das seit der Regierungsbeteiligung der rechtsgerichteten FPÖ mit Sanktionen belegt ist, ein gutes Zeugnis aus. Die Menschenrechte würden nicht verletzt, die Sanktionen seien gar "kontraproduktiv" gewesen, weil sie "nationalistische Gefühle" heraufbeschworen hätten. Fazit: "Wien fordert zügige Entscheidung. Die ‚drei Weisen' bringen Ende der EU-Sanktionen in Sicht" (FR). Nun hat der forsche Haider ein Problem, kommentiert der Tagesspiegel. Denn wenn der Feind, in diesem Fall die EU, weg sei, dann "werden die Risse zwischen Haiders FPÖ und Wolfgang Schüssels ÖVP" in den Vordergrund treten. Deswegen, so Kommentator Markus Huber, stänkert Haider nun verstärkt gegen den EU-Ratsvorsitzenden Jacques Chirac ("Westentaschen-Napoleon"). Sollte der die Contenance besitzen, Haider plappern zu lassen, wäre demnach allen geholfen.

Und was war nun mit Schumi? Schumi weinte, weil ihn sein Sieg in Monza übermannte: der Jubel, die Fahnen, die schönen WM-Punkte. "Von wegen eiskalte Rennmaschine", fühlt die Bild mit. Ein bitterböser Nachgeschmack, auch über die Berichterstattung, bleibt dennoch: Kurz nach dem Start kam bei einer Massenkarambolage ein Streckenposten ums Leben. Der 30-jährige Feuerwehrmann starb durch umherfliegende Trümmerteile. Er hinterlässt eine schwangere Frau, schreibt Bild in einem kleinen Artikel am Fuß der Seite. Sieg und Trauer: Ein Herz hat, wer beides empfinden kann.

ausgewertet: FAZ, FR, SZ, Welt, Bild, Tagesspiegel, taz, Handelsblatt

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