Nach dem Sturm der Empörung, der am Wochenende über hohen Spritpreise ausbrach, war gestern die Position der Regierung gefragt. Das Ergebnis vermelden die Zeitungen unisono auf der Eins: Die Ökosteuer bleibt, die Kfz-Steuer auch und eine höhere Kilometerpauschale gibt es wohl auch nicht. CDU, CSU und FDP nutzen diese Haltung, um den Schröders so richtig eins auf die Mütze zu geben: "Weg mit der K.O.-Steuer" steht auf den Aufklebern, mit denen die Union gegen die Ökosteuer protestiert. Der überaus lesenswerte SZ-Kommentar merkt dazu an: "Die Union glaubt, dass die Beschwörung eines heiligen ‚Benzin-Dursts‘ (Bild) derzeit die beste Chance bietet, die Regierung madig zu machen. Ob Steuer, Rente oder Green Card: Nirgens haben Merz und Merkel gepunktet. Jetzt soll es die Stimulierung des Volkszorns bringen". Um aus der Defensive herauszukommen, ergänzt der taz-Kommentator, würde die CDU notfalls das ganze Land in "Benzinaufstände stürzen".

Die endlose Geschichte von den schwarzen Kassen der CDU könnte dadurch, wie heute geschehen, etwas in den Hintergrund rücken. Dass Chefkassierer Kohl, der die Namen seiner Spender nach wie vor verschweigt, nun wieder an Fraktionssitzungen teilnimmt, wollen Merkel und Merz als Zeichen der "Normalisierung" gedeutet wissen. Dass dies alles andere als die Wahrheit ist, meldet das Handelblatt auf Seite Vier: "Das Kohls Auftritt nichts mit Normalität zu tun hat, haben allerdings schon die Vorbereitungen deutlich gemacht. So nahm die Fraktionsspitze mit Erleichterung zur Kenntnis, dass der Altkanzler bei seiner rheinland-pfälzischen Landesgruppe sitzen will und nicht am Vorstandstisch, was ihm zugestanden hätte. Die Abgeordneten wurden gemahnt, den Beifall für Kohl doch nicht zu enthusiastisch ausfallen zu lassen, es könnte ja als Mißtrauensvotum gegen die neue Führung gewertet werden." Gleiches berichtet die SZ in einem Hintergrundstück auf Seite Drei. Die Überschrift: "Die Rückkehr des Alien. Helmut Kohl sitzt wieder in der Unionsfraktion, und allein seine Präsenz lähmt die Führung".

Deswegen mag mancher Merkelianer hoffen, dass Kohl seine Arbeitszeit in der CDU reduziert. Dass ihm dies zustehen würde, ist nach dem neuen Referentenentwurf zur Teilzeitarbeit unstrittig: Was dem Bürger recht ist, kann dem Altkanzler nur billig sein. Die FR geht ebenso wie die Welt in einem Einspalter auf den Entwurf ein: Er gestattet Arbeitnehmern, sich auf Teilzeitjobs zurückzuziehen, wenn "dringende betriebliche Gründe" nicht entgegenstehen. Außerdem unterbindet er die Möglichkeit, befristete Arbeitsverhältnisse durch Kettenverträge ad ultimo auszudehnen. Dieser Entwurf sei eine "bittere Pille" für die Gewerkschaften, ist im FR-Kommentar zu lesen. Schließlich seien sie dafür eingetreten, befristete Arbeitsverträge ganz abzuschaffen. "Aber", schreibt der Realo unter den FR-Journalisten, "die Wirklichkeit ist, dass angesichts des atemlosen Auf und Ab der Konjunktur Arbeitgeber das Mittel der befristeten Beschäftigungsverhältnisse brauchen, um Belegschaften der Marktlage anzupassen".

Völlig unbefristet scheint sich die Bild hingegen am Seelenleben der Formel1-Fahrer zu weiden. "Bin ich schuld an seinem Tod? Frentzen völlig verzweifelt" titelt das Boulevardblatt im Nachgang der Massenkarambolage beim Großen Preis von Italien in Monza, bei der ein Streckenposten starb. Auch Schumacher trauere nun um den Mann, ist im Sportteil zu lesen. Nach der gestrigen Bild-Schlagzeile klingt das direkt beruhigend.

Wenden wir uns zuletzt der wunderbaren Seite "Vermischtes" in der SZ zu. Dort sind, im Gewand des seriösen Journalismus, immer noch die schrägsten Meldungen zu lesen. Kai Stittmatter vermeldet zum Beispiel, dass in China zum Mondkuchenfest jede Menge Mondkuchen gebacken werden, aber die Chinesen meistenteils Mondkuchen gar nicht leiden mögen. Auch zum Thema Stoffwechsel gehört die Meldung, dass die Fußballfans in Rio de Janeiro in Bälde die Stahlträger des Stadions Maracana weggeätzt haben, weil sie schamlos und fortgesetzt an die Wände urinieren. Doch soll keiner sagen, andere Zeitungen hätten nicht auch einen Blick für Kuriosa: Die FAZ bringt unter der Rubrik "Deutschland und die Welt" ein Porträt von "Erika Mustermann", der amtlichen Ikone der Ausweise und Führerscheine. Auf dem neuen EU-Führerschein trage Frau Mustermann, schreibt die FAZ, übrigens einen neuen Vornamen: "Désirée Jeanette". Das klingt so charmant, dass die Frage, wie sie ihre Tankrechnungen bezahlt, glatt in Vergessenheit geraten könnte.

ausgewertet: FAZ, FR, SZ, Welt, Bild, Tagesspiegel, taz, Handelsblatt

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