Auf den Gedanken, die Wahlperioden zu verlängern, verfallen die Politiker, weil sie endlich in Ruhe Politik gestalten wollen, ohne sich immerzu in Wahlkämpfen dem Wähler stellen zu müssen. Aber es sind nicht die Wähler, sondern die Politiker selber, die aus Wahlkämpfen sozusagen eine ermüdende Dauerveranstaltung machen; sie selber hätten es in der Hand, die reinen Kampfrituale zu verkürzen - und nebenbei zu verbilligen. (Stattdessen machen sie aus jeder Landtagswahl ein bundesweites Rennen.) Also: Weil sie sich nicht selber zu zähmen wissen, die Politiker, soll der Wähler sie länger in Ruhe lassen.

Zwar lohnt sich über die Länge der Legislaturperiode, jedenfalls über die Frage: "Vier oder fünf Jahre?" kein erschütternder Dogmenstreit - solange man auch im Bewusstsein behält, dass das Repräsentantenhaus der USA alle zwei Jahre neu gewählt wird, und niemand es wagen würde, daran etwas zu ändern; auch so geht's also. Man könnte sogar auf den Gedanken kommen, zwischen den beiden gleichzeitig-ungleichzeitigen Vorschlägen bestehe gar kein Widerspruch, sondern ein logischer Zusammenhang: Wenn ihr seltener wählen und länger regieren wollt, dann müsst ihr wenigstens zwischendrin das Volk begehren und entscheiden lassen... Aber bevor man sich Illusionen hingibt: Dann haben die Politiker und Parteien ja noch weniger Ruhe zum ungestörten Regieren. Denn dann müssen sie neben den Wahlkämpfen ja auch noch, worauf deren Einführung ja praktisch hinauslaufen würde - dann müssten sie auch noch die Plebiszite organisieren.