Schon von weitem zeichnet sich die Zentralklinik am Horizont ab. Wie eine Burg der Neuzeit thront sie, alles überragend, auf einer Anhöhe über dem thüringischen Kurort Bad Berka. Für den Betreiber, die Rhön-Klinikum AG, hat das durchaus Symbolwert. Ein "Krankenhaus für das 21. Jahrhundert" nennt Joachim Manz, Regionalvorstand des Krankenhauskonzerns, die privat geführte Klinik in Thüringen - mit ihren modernen, flexiblen Strukturen sei sie den starren staatlichen Krankenhäusern haushoch überlegen.

Man bemerkt den Unterschied schon an der Wortwahl, wenn Manz die hauseigene Philosophie erläutert: "Dienstleistungsunternehmen", "prozessorientiert", "Optimierung". Das klingt nicht nach barmherzigem Samariter, sondern nach kühl kalkulierendem Manager. "Wir scheuen uns nicht zu sagen, dass wir Gewinne machen", sagt er. Der überwiegende Teil werde wieder investiert - zum Wohle des Patienten, versteht sich.

21 Krankenhäuser betreibt die Rhön-Klinikum AG, die größte private Krankenhauskette in Deutschland. Konzernumsatz eine Milliarde Mark, Gewinn fast 90 Millionen Mark, seit 1989 als erstes Unternehmen seiner Branche an der Börse, Wertsteigerung der Aktien seitdem 616 Prozent - die Krankenhausfirma floriert. Mittlerweile gibt es sieben börsennotierte Klinikunternehmen in Deutschland.

Es ist noch nicht lange her, erinnert sich Rhön-Vorstandschef Eugen Münch amüsiert, da pflegten Bedienstete und Kommunalpolitiker regelmäßig Sturm zu laufen, wenn ruchbar wurde, dass sein Unternehmen wieder mal im Begriff war, ein öffentliches Krankenhaus zu übernehmen. Gesundheit und Gewinnmaximierung - vielen Menschen erschien das als eine Art Sakrileg. Heute werden dem Konzern die staatlichen Krankenhäuser fast aufgenötigt. Den Kommunen fehlt das Geld, die Häuser zu sanieren und in neue Medizintechnik zu investieren. Glaubt man einer Studie der Beratungsgesellschaft Arthur Andersen, werden von den 790 staatlichen Krankenhäusern bis zum Jahr 2015 nur noch 400 übrig bleiben, die Zahl der privaten wird im selben Zeitraum von 390 auf 600 steigen.

Rund 500 Millionen Mark steckte die Rhön-Klinikum AG in die alte DDR-Zentralklinik Bad Berka. Das Krankenhaus wurde umgebaut und erweitert. Zehn Spezialkliniken beherbergt das 480-Betten-Haus heute, für Querschnittgelähmte, Herzkranke oder Schlafgestörte. Alle Abteilungen mit neuester Technik ausgestattet. Zum Beispiel mit dem Ganzkörper-Positronen-Emissions-Tomografen zur Erkennung von Tumorerkrankungen oder Herzleiden. Einzigartig in ganz Thüringen, sagt Manager Manz.

Das konzerneigene Behandlungskonzept beginnt schon beim Bau. Dessen durchgehendes Leitmotiv lässt sich auf einen Nenner bringen: Sparen, sparen, sparen - auch wenn dafür zunächst hohe Investitionen erforderlich sind. Wichtige Arbeitsbereiche wurden zentral angesiedelt, Operationstrakt, Bettenhaus und Diagnostik so angeordnet, dass nur kurze Strecken zurückzulegen sind. Die Sterilisation etwa, oft fernab des OP im Keller untergebracht, liegt in Bad Berka unmittelbar neben dem Operationstrakt. Alle Abteilungen wie Küche, Gebäudereinigung oder Wäscherei, die nicht unmittelbar der Behandlung der Patienten dienen, wurden zwecks Kostensenkung ausgelagert. Bei der Materialbeschaffung tauschen sich die Konzernkrankenhäuser untereinander aus. Hat zum Beispiel der Klinikchef in Leipzig OP-Fäden besonders günstig eingekauft, informiert er seine Kollegen in Karlsruhe via Internet.

Der Kranke gilt in den Rhön-Kliniken als Kunde, um dessen Wohl sich alles dreht - und nicht als Insasse einer Anstalt, dem das Gefühl vermittelt wird, er störe den reibungslosen Ablauf. Schon bei der Ankunft verströmt die Zentralklinik das Flair eines Drei-Sterne-Hotels. Wehe, jemand nennt die Patientenaufnahme "Pforte". Sie heißt hier Rezeption und liegt inmitten eines lichtdurchfluteten, mehrere Stockwerke hohen Atriums. Dahinter, vorbei an der "konfessionell neutral" gehaltenen Kapelle, führt ein Durchgang zum neuen Bettentrakt. Er wurde an den abfallenden Hang gebaut, sodass die Patienten nicht im Erdgeschoss, sondern im obersten Stockwerk ankommen. Das Gelände zwischen Atrium und Neubau ist als terrassenförmiger, üppig bepflanzter Garten mit Wegen, Brücken und Bänken angelegt und glasüberdacht. Wie das Tropenhaus eines zoologischen Gartens mutet die Anlage an. Auf dem Flachdach des Bettenhauses erstreckt sich eine gleichfalls begrünte Terrasse mit Ausblick über das Ilmtal.