Scheel: Guten Morgen.

Gerner: Frau Scheel, in Deutschland steigen die Benzinpreise an den Zapfsäulen fast täglich. Die OPEC hat die Schraube angezogen. Ist eine neue Qualität in der Debatte eingetreten?

Scheel: Es ist natürlich so, dass gerade von Seiten der CDU, die ja bekannterweise ihre Probleme hat, aber auch der CSU jetzt diese Situation benutzt wird, um zu versuchen, wieder in die Vorderhand zu kommen und hier mit einem großen Populismus den Leuten die Ökosteuer gerade in diesem Zusammenhang gerade in diesem Zusammenhang auch wieder madig gemacht wird. In Wirklichkeit geht es ja darum, dass die OPEC sich am Sonntag in Wien treffen wird, dass es auch über die Erhöhung der Förderquoten geht, die auch gelenkt werden müssen, und dass es hier Vermutungen gibt, dass die Fördermenge um ungefähr eine Million Barrel steigen soll. Ein Barrel sind 159 Liter, damit man sich darunter etwas vorstellen kann. Wir wissen natürlich, dass die Multis derzeit diese Gewinne nutzen, um ihre Anlagen auf den neuesten Stand zu bringen. In dieser Situation wird das ganze jetzt populistisch ausgenutzt, vor allem auch von dem Landesgruppenchef der CSU in Bayern, um hier eine Campagne zu fahren, die Regierung solle doch die Ökosteuer aussetzen, die Autofahrer werden belastet. Eine Regierung kann, wenn sie verantwortungsvolle Finanzpolitik machen will und wenn sie Planungssicherheit haben will und wenn sie sich auf wirtschaftliche Daten verlassen will, auch nach der Ansicht der Wirtschaftsweisen oder auch nach Auffassung der deutschen Bundesbank, die sagen, die Konjunktur ist so gut wie sie nie war, nicht wie ein Fähnlein im Winde oder wie ein Blatt im Winde schwenken und kann einmal sagen, na ja, jetzt setzen wir die Mineralölsteuer ein bisschen herunter, ein paar Wochen später setzen wir sie wieder herauf, gerade so wie die Konzerne die Rohölpreise gestalten.

Gerner: Frau Scheel, wir haben eben von dem schwachen Euro gehört, der das Öl zusätzlich verteuert. Gegen die OPEC haben wir gehört können wir nichts tun. Kann man etwas gegen den schwachen Euro tun?

Scheel: Es ist natürlich so, dass wir sehen müssen, dass wir in allen europäischen Ländern dafür sorgen müssen, dass die Wirtschaftspolitik, dass die Steuer- und Finanzpolitik solide ist und dass das, was wir in den letzten Monaten in Deutschland Gott sei Dank an wirtschaftlichem Aufschwung haben, sehr gute Konjunkturdaten, auch in anderen europäischen Ländern so funktioniert. Es gibt sehr gute Hinweise darauf, dass sowohl in Großbritannien als auch in Frankreich oder im skandinavischen Bereich die Lage der Konjunkturdaten sich verbessert. Wir sind dort sehr zuversichtlich und brauchen uns auch nicht fürchten.

Gerner: Konkret zum Euro, Frau Scheel. Gerhard Schröder hat gesagt, es bestehe kein Grund zur Sorge angesichts des aktuellen Tiefstandes. Teilen Sie dies?

Scheel: Es ist natürlich so, dass es seit Monaten schon Schwankungen gibt und dass man es nicht so gerne sieht, wenn der Euro und diese Marke fällt, die wir uns ja eigentlich mal vorgenommen haben, die die Grenzmarke ist. Aber nach allen Analysen auch von Seiten der Banken und nach Beobachtungen der Wirtschaftsinstitute und der Wirtschaftsweisen brauchen wir hier keine Sorge zu haben. Es ist nicht schön - da hat Herr Schröder vollkommen Recht -, aber ich denke, dass wir das gut überstehen können und dass wir gerade im Hinblick auf das Anwachsen der Konjunktur in anderen Ländern großes Vertrauen in den Euro setzen können.