Rafik Hariri, von 1982 bis 1998 Regierungschef im Libanon, feiert sein Comeback - nur zwei Jahre, nachdem er aus dem Amt geworfen wurde.

Investitionen, Wiederaufbau, Aufbruch hat der Multimillionär seinen Wählern vollmundig versprochen, was ihm während seiner letzten Amtszeit allerdings nur im Ansatz gelungen war.

Der Baulöwe hatte die Wirtschaft nach dem 15-jährigen Bürgerkrieg angekurbelt, den Staat dabei aber hoch verschuldet. Nach seinem Sieg darf er jetzt auch den Wiederaufbau des von Israel geräumten Südens in Angriff nehmen. Dort hat, wie zu erwarten war, das Bündnis aus Hizbullah und Amal-Bewegung haushoch gewonnen. Beide unterstützen Hariri und hoffen auf eine angemesse Belohnung für ihren Kampf gegen die israelische Besatzung. Sie bauen auf eine Zukunft im Libanon statt auf ihre bisherige Schutzmacht Syrien.

Zu Damaskus, mit seinen 35 000 Soldaten der wahre Herrscher im Libanon, hält Hariri Distanz. Präsident Bashar al-Assad hätte deshalb lieber einen anderen Sieger gesehen, übte aber keinen Druck aus. Unabhängig ist der Libanon trotzdem noch lange nicht. Auch wenn der Konflikt mit Israel beigelegt ist, wird Hariri ohne die Zustimmung Syriens kaum ein Abkommen mit Jerusalem wagen. dax