Krakau

Idylle, reine Idylle. Gespräche hoch über der Weichsel, im Norden die Silhouette von Krakau, im Süden verliert sich der Fluss im Grün und im Sonnenlicht, und nicht weit davon liegt ein ganz anderer Ort - Auschwitz.

Hitlers Generalgouverneur, Hans Frank, hat dieses verträumte Fleckchen über dem Fluss ausgewählt, hier ließ er sich seine Sommerresidenz bauen.

Ganz kann man den Gedanken an den Bauherrn nicht verjagen, wenn man mit polnischen und deutschen Studenten und Professoren über Europa und das Genomprojekt, über die Globalisierung und Norman Finkelsteins Thesen zur "Holocaust-Industrie" spricht. Über das also, was beide Seiten aneinander zu entdecken haben, an Europas kompliziertester Nahtstelle.

Der Warschauer Historiker Wlodzimierz Brodziej hat zum Jahrestag des 1.

September von einem mitteleuropäischen Bürgerkrieg gesprochen, der damals auch begonnen habe, von einer "deutsch-polnischen Angelegenheit"

am Schluss seien beide Seiten derart erschöpft gewesen, "daß von Siegern und Besiegten trotz scheinbar klar verteilter Rollen kaum noch die Rede sein konnte" (FAZ).