Der Ausfallschritt in die achtziger Jahre schafft Distanz - auch für den Zuschauer. Keine "Ära" könnte ferner wirken. Während man in einem Drama aus jeder anderen Zeit sofort nach Anknüpfungspunkten suchte, fällt hier zunächst der Abstand auf. Noch scheint kein nostalgischer Blick auf den Geschmack und die Geschmacklosigkeiten der achtziger Jahre möglich. Es war kein schönes Jahrzehnt

wir haben es längst hinter uns, zum Glück. Wer Patrick Bateman aus dieser Perspektive beim blutrünstigen Dahinvegetieren zusieht, fühlt sich durch einen einigermaßen befestigten Graben von ihm und seiner Welt getrennt.

Aber Harron weicht nicht nur aus, sie greift auch zu. Ellis' Dröhnung hat sie eine schlanke, handfeste Satire abgerungen. Darin sind die meisten Motive des Romans enthalten. Und während man die geringere Schwerkraft des Films bedauern mag, kann man auch dankbar sein für diese im Ganzen unterhaltsame Sightseeing-Tour durch ein öde ausfransendes wasteland. Unter den möglichen Verfilmungen ist dies vielleicht die beste - eine, die mit ihrer Ausschnitthaftigkeit so offen umgeht wie mit der Unfassbarkeit ihrer Hauptfigur, weil sie diese nicht heimzuholen versucht in die Welt des psychologisch Korrekten.

Bateman, ein Held, der einfach nicht "da" ist

Bateman sagt aus dem Off gleich zu Beginn: "Es gibt zwar eine Idee von Patrick Bateman, aber es gibt kein echtes Ich. Obwohl Sie meine Hand schütteln können und vielleicht sogar unsere Lebensstile für vergleichbar halten: Ich bin ganz einfach nicht da." Bateman ist ein schwarzes Loch im weißen Hemd, ein Nichts mit einem Körper aus dem Fitnessstudio. Seine Persönlichkeit passt auf den Magnetstreifen einer Kreditkarte, seine Verzweiflung gilt nur den Rissen im Imagepanzer, sein Selbstwertgefühl hat sich nahezu komplett auf die Klinge seiner Mordwerkzeuge zurückgezogen. Nur noch aus dem Schmerz der anderen gewinnt er sinnliche Sensation. Batemans "Charakter" ist ein düsteres Stück Konzeptkunst, aber in der Darstellung von Christian Bale wird daraus ein leuchtendes Stück Schauspielkunst. Bale zeigt Bateman als starre, zitternde, schließlich flatternde Fratze, die sich immer krampfhafter bemüht, Fassung zu bewahren. Er tanzt stets auf der Oberfläche, taucht nie in eine Tiefe, die es nicht gibt. Aber seine oft aus dem stählernen Gesicht ungelenk abgleitenden Züge enttarnen alle Schwierigkeiten, die eine fühllose Hülle haben mag, wenn sie noch als Antlitz funktionieren soll.

Steigern lässt sich diese Art Karikatur der Persönlichkeitsfrage nur mit einer noch strengeren Metapher. In einer der besten Szenen des Films ziehen die Teamkollegen der Brokerfirma voreinander die Visitenkarten, als gelte es, die eigene Satisfaktionsfähigkeit unter Beweis zu stellen. Nachdem die Karrieren so austauschbar geworden sind wie die Anzüge, verschaffen nur noch Papier- und Druckqualität der business card einen Distinktionsgewinn.

Identität bleibt eine Frage der Prägung - allerdings in einem völlig neuen Sinn. Bateman versucht freilich, auch durch entschiedenen Popmusikkonsum eine Restsensibilität aufrechtzuerhalten. Den Opfern in seiner weißen Wohnung hält er absurde Kurzvorträge über tiefe Wahrheiten in den Songs von abgeflachten Soundschmirglern wie Whitney Houston, Phil Collins oder Huey Lewis and the News. "Invisible Touch ist eine epische Meditation über das Ungreifbare ..."