Wohnen über dem Wasser - eine Utopie mit Geschichte. Von der Old London Bridge bis zur Rialtobrücke, von Frank Lloyd Wright bis zu Zaha Hadid, von der bebauten Brücke, die nicht mehr steht, bis zu der, die gar nicht erst gebaut wurde: Die Ausstellung Living Bridges im NRW-Forum Düsseldorf (bis 3.

Oktober) macht Brücken zum Thema. Anhand von Modellen, Fotos, Skizzen und Bildern zeigt sie die architektonische "Landgewinnung" aus sieben Jahrhunderten und unternimmt zugleich einen ambitionierten Brückenschlag in die Zukunft. Vier extra angefertigte Entwürfe für Düsseldorf sollen aus dem musealen Kontext heraus stadtplanerische Impulse geben. So entwickelt Gerhard Merz zusammen mit Ortner & Ortner/ rheinflügel schiffsfarbene Schwimmkörper, die die urbane Flusslandschaft endgültig als artifizielles Panoramamotiv definieren. Die Rotterdamer Architektengruppe MVRDV, berühmt seit ihrem holländischen Expo-Pavillon, stellt DNAartig geschwungene Brückengänge mit zwei Etagen vor, die im besten Fall zu Lebensadern und im schlechtesten Fall zu totem Raum werden. Der Fluss steht im Mittelpunkt der Ausstellung. Eine echte kleine Wasserstraße zieht sich durch den Raum und wird zum "Fluss der Zeit", den, chronologisch aneinandergereiht, Modell für Modell "überwindet".

Die Brücke als Knotenpunkt - dieser architektonische Bautypus zeigt hier, was in ihm steckt. Denn er kann alles sein: repräsentatives Gebäude, virtuose Ingenieurkunst, strategischer Stützpunkt, wirtschaftlicher Katalysator, verkehrstechnischer Engpass, öffentlicher Raum, touristische Ikone und natürlich symbolisches Bild. Die Ausstellung ist aber vor allem eines: eine Dokumentation über die Kunst des Modellbaus. Freilich von heute. Wo man handwerkliche Detailliebe vermutet, hat eine computergesteuerte Fräsmaschine gewirkt. - Alles in allem ein kleines, visuelles Vergnügen, wenn auch mit zeitlicher Verspätung. Das 1996 in Paris und London konzipierte Projekt hat schon etliche Stationen "überbrückt", bevor ihm jetzt endlich die Rheinüberquerung gelang.