Das Projekt hatte seine, nun ja, Schwächen. Die technischen Tests: Fehlanzeige, bis auf einen - bei dem kräftig nachgeholfen wurde. Wann es klappen wird, ist bis heute nicht klar. Jahre wird es sicher dauern, vielleicht Jahrzehnte. Dass es gegen weltweit anerkanntes Recht verstoßen könnte, geben sogar seine Befürworter zu. Die bisherigen Kosten sind gewaltig, die künftig erwarteten astronomisch. Die an seiner Entwicklung beteiligten Institutionen bekriegen sich öffentlich. Der Mann, der den Startschuss geben sollte, zweifelte und zögerte für alle erkennbar. Freunde und Alliierte warnten, Neutrale erschraken. Feinde und Konkurrenten triumphierten bei jedem Streit und jedem Rückschlag. Vernünftige Gründe genug - würde man meinen - für den US-Präsidenten, die Genehmigung für den Bau eines nationalen Raketenabwehrsystems abzulehnen, wie er es jetzt getan hat.

Doch die Entscheidung wurde nur delegiert - an Clintons Nachfolger, und damit an dessen Wähler. Das in Umfragen populäre Raketenschild-Projekt wird so für den Republikaner Bush zur Profilierungschance, und zur Bewährungsprobe für den Gegner Gore. Ein Schaden ist indes schon jetzt zu verzeichnen: Das Ansehen der amerikanischen Außenpolitik hat eine tiefe Delle erlitten. Als Bumerang funktioniert das Projekt ganz gut. stz