Natürlich, diese totale, sich hoch schaukelnde Polarisierung, die den Terrorismus mit hervorgebracht hat, war schrecklich: Auf der einen Seite stand ein militantes, ordnungsfanatisches Schutzbedürfnis für die junge Demokratie. Und wer auf der anderen Seite das System demokratisieren oder entmilitarisieren wollte, der wurde sofort in die Kommunistenschublade gepackt: Geh doch rüber!, oder in die Nähe der RAF gestellt. Heute kann zwar jeder jede politische Anschauung vertreten. Aber auch, weil sie egal ist. Die große Demokratiemaschine frisst alles. Wichtig ist nur, wie Kohl so schön gesagt hat, was hinten rauskommt - und das ist bei allen Parteien so ziemlich das Gleiche.

Man könnte auch Hartnäckigkeit in der großen Demokratiemaschine heroisieren.

Mag sein. Aber wie die RAF-Leute mit dem ganzen Leben für seine Gesinnung einzustehen, das hat auch etwas Großes, Unbedingtes, Absolutes. Also Mythisches. Wie im Kino.

Bietet die RAF-Faszination nicht überhaupt eher suspense, wie bei Bonny and Clyde?

Klar. Da gibt es Entführung, Flucht, Untergrund - das Land zu RAF-Zeiten war der letzte große Abenteuerspielplatz der deutschen Geschichte.

DAS GESPRÄCH FÜHRTE CHRISTIANE GREFE

* In seinen Stücken Born in the R.A.F. und Rinderwahnsinn reflektiert John von Düffel, Autor und Dramaturg am Hamburger Thalia Theater, den Terrorismus.