Manche Bücher kommen zur rechten Zeit und doch etwas spät. So eines ist das neue Buch des österreichischen Wirtschafts- und Kommunikationswissenschaftlers Walter Ötsch: ein Handbuch für Demagogie, wie der Untertitel verheißt, das sich Österreichs heute weltweit berüchtigstem Repräsentanten widmet: Jörg Haider.

Rechtzeitig kommt es, weil es in akribischer Aufbereitung vielfältiger Zitate und Vorgänge die Technik analysiert, mit der Haider seit Jahren in Österreich die Stimmung prägt und nun, als Regisseur und Hauptfadenzieher der FPÖ-ÖVP-Koalition, soeben wieder die Puppen tanzen lässt. Spät kommt es, weil man wünschte, die drei Weisen, die im Auftrag der EU-Präsidentschaft während des Sommers die Lage in Österreich erkundet haben, hätten Ötschs Haider light noch vor dem Abfassen ihres Berichts studieren können. Denn Teil ihres Untersuchungsauftrags ist die "Entwicklung und politische Natur der FPÖ". Ihr Befund wäre gewiss (noch) fundierter, als er es (hoffentlich) auch so sein wird.

Ob Haiders Aufstieg in der Donau- und Alpenrepublik zu stoppen ist, bleibt offen. Die EU-Sanktionen, so überhastet sie zu Beginn des Jahres als Reaktion auf die Aufwertung der Haider-Partei FPÖ auch verhängt wurden, hatten zunächst bremsende Wirkung. Inzwischen wirken sie jedoch umgekehrt. Deshalb möchte die Mehrheit der 14 davon auch wieder wegkommen, begreiflicherweise unter Wahrung des Gesichts. Der Demokratie-TÜV-Bericht der drei Weisen - ein Deutscher, ein Finne, ein Spanier - soll dabei helfen. Prüfen sollten sie Österreichs Umgang mit Minderheiten, Einwanderern und Flüchtlingen. Und eben die FPÖ. Kein Wunder, dass man allgemein einen Bericht mit zwei sehr unterschiedlichen Ergebnissen erwartet: Freispruch für die Republik insgesamt, Bedenken oder Zweifel betreffend die demokratische Zuverlässigkeit der FPÖ.

"Der Ötsch" ist voll von Anhaltspunkten und Belegen für diese Zweifel: Doppelzüngigkeit, Sektenstruktur, Mythenbildung, Verschwörungsszenarien, Führerkult, Unterwerfungsstrategien, systematisches Lügen - die Ötsch-Liste der demagogischen Muster, ausführlich dargelegt und dokumentiert, umfasst 100 Punkte. Der Haider-Reader ist ein Lehrbuch für Demokraten, besonders für solche, die vielleicht irgendwann einmal mit Haider und seinen politischen Klonen öffentlich diskutieren müssen. Insofern kommt das Buch, alles in allem, doch rechtzeitig. Werner A. Perger

* Walter Ötsch: Haider light. Handbuch für Demagogie,

Czernin-Verlag, Wien 2000, 267 S., 38,- DM