Lima

Es ist schwer zu sagen, warum, aber wenn man Alberto Fujimori, dem Präsidenten Perus, alleine gegenübersitzt, denkt man zuerst ans Fischen.

Vielleicht hat es mit dem düsteren Licht im Präsidentensaal zu tun, mit der Stille, mit den Jeans und der Sportjacke, die der Präsident trägt. Vielleicht versetzt einen das alles an ein Flussufer ins unsichere Licht eines anbrechenden Tages, neben einen Mann, der beharrlich und gezielt in dunklen Wassern fischt, schweigend bemüht, auf nichts zu lauschen außer auf das Schwappen des Wassers, das Beute anzeigen könnte. Es ist ein Gefühl, als stehe man im Zwielicht. Alles verschwimmt, und es gibt nichts, an das man sich halten könnte. Nur der Wille eines gnadenlosen Mannes ist spürbar.

Die Peruaner nennen ihren Präsidenten el oriental, und damit bezeichnen sie nicht nur seine japanische Herkunft, sondern auch seine Art des Regierens.

Östlich gilt hier als Synonym für schattenhaft, geheimnisvoll und immer für Überraschungen gut. Der Präsident spricht nicht gerne mit ausländischen Journalisten, gerade jetzt nicht, da er sich nach seiner dritten Wiederwahl als autoritärer Herrscher gebrandmarkt sieht.

Macht und Mathematik sind seine Leidenschaften

Aber dann kommt plötzlich der Anruf, das Drängen, binnen zweier Stunden zu erscheinen, es kommt das aufgeregte Getue der Leibwächter und Pressesprecher, der eilige Gang durch den düsteren Palast. Dann kommt Fujimori still, schleichend fast, durch eine Tür und schweigt.