Danke, Clemens Reif! Ihr Zwischenwurf im Hessischen Landtag an die Adresse des Grünen-Politikers Tarek Al Wazir, Geh doch zurück nach Sana'a!, oder auch: Ein Student aus Sana'a, hat mir die Augen geöffnet, die deutschblauen.

Da war ich doch fest überzeugt, das mit der Ausländerfeindschaft ließe sich an Springerstiefeln und fehlendem Haupthaar erkennen. Völlig daneben. Soweit ich weiß, tragen Sie weder Glatze noch Stiefel. Und gegen die C-Partei, der Sie angehören, wird auch kein Verbotsantrag erwogen. Warum auch? Das bisschen Kampagne gegen die doppelte Staatsbürgerschaft vor der letzten Hessenwahl.

Der Dreck heiligt die Mittel, oder?

Aber dass Sie sich getraut haben, Ihren Unmut darüber zu offenbaren, dass dieser Herr Tarek Al Wazir, ein Halbjemenit, mitten in einem deutschen Hohen Haus ... und womöglich auch noch im Namen des Volkes, dem er blutsmäßig gerade mal zu 50 Prozent angehört ... also, Hut ab!

Jetzt wissen die Geistlosen, dass sie nicht ganz allein sind mit ihrem Unbehagen an Deutschlands Entdeutschung. Wo zwei im Namen Reindeutschlands zusammen sind, da ist CDU-Reif mitten unter ihnen. Oder mindestens ein starker Flügel der CDU fächelt wohlgefällig über ihnen. Auch wenn die Hessen-Union mit dem anderen Flügel etwas gegen Sie angewedelt hat Fraktionsvorsitzender Norbert Kartmann hat sich für Sie (aber wohl nicht in Ihrem Sinne?) entschuldigt.

Übrigens, nach Sana'a zu gehen, wäre auch für Sie keine schlechte Idee - vielleicht im Rahmen einer Bildungsreise für die hessische CDU? Man könnte da erfahren, dass es im Jemen schon Hochkulturen gab - etwa die der Sabäer in den Jahrhunderten vor Christus -, als Ihre und meine Vorfahren noch im teutonischen Urwald unter den Bäumen saßen und dumpfbrüteten. Die Altstadt von Sana`a ist Weltkulturerbe der Unesco. Aber Vorsicht! Sie werden das heimische hessische Fachwerkidyll womöglich ärmlich finden, wenn Sie einmal die genialen, vielstöckigen jemenitischen Träumereien aus Lehmziegeln und Arabesken gesehen haben.

Vielleicht würde eine Delegation unter Ihrer Leitung ja auch Zeit finden, sich die zweitälteste Moschee der islamischen Welt anzuschauen, erbaut um 630 noch zu Lebzeiten des Propheten - also zu einer Zeit, als Ihre und meine Vorfahren sich noch mit Weidenflechtwänden und Schilfdachhütten begnügten, und lange bevor Karl der Große uns das Christentum einprügelte.