Es war ein kühler Sommerabend im vergangenen Juli, als nach einem meditativen Vortrag über das Wesen der philosophischen Wahrheit ein kluger Zuhörer höflich die boshafte Frage stellte, ob denn das Reden über Philosophie überhaupt zur philosophische Rede gehöre. Leider war keiner da, der den Spieß gedankenschnell umgedreht hätte. Denn immer schon hat das philosophische Sprechen von der Möglichkeit philosophischen Sprechens gehandelt.

Warum das so ist, wird in den Anekdoten und Glossen deutlich, die jetzt aus dem Nachlass von Hans Blumenberg erschienen sind. Sie handeln vom Leben der Philosophen - von ihren Problemen und Posen, ihren Verfehlungen und Obsessionen, ihren Irrtümern und Einsichten. Da das Philosophieren ein Tun ist, das ohne festen Boden auskommen muss, muss es sich seines Standpunkts fortwährend versichern. Es kann seiner Sachen nur habhaft werden, indem es nach einer passenden Sprache für diese Sachen sucht - und das heißt: indem es sich andauernd selbst zum Thema macht. Stoff für Komödien und Tragödien bietet diese Lage reichlich. Neben Wittgenstein, Freud und vielen anderen steht Heidegger im Mittelpunkt von Blumenbergs Recherchen. Mit Faszination und Abscheu beobachtet der Chronist, wie der Mann aus Meßkirch mit dem Gestus einer hochmütigen Demut zu einem Star der Philosophie avanciert. Ein Glanzstück des Bandes wendet Alfred Hitchcocks Theorie des suspense auf das Denken des Meisters an. Das von Heidegger beschworene "Sein" entpuppt sich als ein Äquivalent jenes ominösen, MacGuffin genannten Geräts, mit dem man Löwen in den Adirondacks fängt, in denen es bekanntermaßen keinerlei Löwen gibt.

Hier wie auch sonst hat Blumenberg einen untrüglichen Blick für den Kampf gegen die Unbestimmtheiten der Welt und ihrer Theorie. Von ihm können die Philosophen nicht lassen, obwohl sie ihn verlieren müssen. Die Erfahrung der Unbestimmbarkeit erweist sich als das Schicksal gerade der modernen Welt, die angetreten war, alle dunklen Winkel des natürlichen und sozialen Kosmos auszuleuchten. In der Vermessung dieser Grenzen der Erkennbarkeit ist das schmale Buch an Erkenntnissen reich.

Dennoch bleibt ein Unbehagen, das einen auch bei den großen Werken Blumenbergs - bei der Arbeit am Mythos aus dem Jahr 1979 etwa oder beim Lesen der Lesbarkeit der Welt von 1981 (beide im Suhrkamp Verlag) - befallen kann.

Denn die Sprache dieser Schriften geht oft eigenartig umständliche Wege

zu den guten Pointen muss man oft durch ein Geröll von Füllwörtern hindurch.

Warum das so ist, erläutert Blumenberg in seinen nachgelassenen Papieren selbst. Er schreibt nicht, sondern er lässt schreiben. Seine Publikationen sind überarbeitete Diktate. Er sieht sich damit in einem globalen historischen Trend [zurück zu den Ursprüngen]