Die japanische Begeisterung für i-mode, jenes ständig zu beobachtende Puzzlespiel mit dem Handy auf Tokyoter Fußwegen und U-Bahn-Stationen, lässt sich auch philosophisch erklären. Der deutsche Filmregisseur Wim Wenders sagte einmal über die japanische Metropole: "Freiheit heißt in Tokyo, dass in so einem Wahnsinnschaos trotzdem ein geregeltes Leben vonstatten gehen kann.

In anderen Städten behindert das Chaos Arbeit und Entfaltung. In Tokyo ist das nicht der Fall."

In diesem Sinne ist das Internet-Handy ein Werkzeug der Freiheit für den japanischen Großstadtmenschen. Er kann im Zug eine Nachricht über seine Ankunft übermitteln, ohne den anderen Fahrgast mit lauter Handystimme zu stören. So regelt i-mode das Tokyoter Chaos im Stillen, und zwar dort, wo die Gefahr der Belästigung von Mitmenschen besonders groß ist. Entlastet werden die höflichen Bahnhofsbeamten, die den Fahrgästen Auskünfte aus dem Zugfahrplan erteilen. Ersetzt werden viele kleine Gespräche im urbanen Alltag über die Wettervorhersage und die Verkehrslage. Damit ist i-mode paradoxerweise ein Medium der Stille, ein Mittel, um inmitten des Großstadtlärms zu schweigen. Sein Gebrauch erfordert Konzentration und Disziplin. Wim Wenders erklärt auch das: "Disziplin ist in Tokyo nur die Kehrseite der Freiheit, ein sozialer Wert, der den Menschen in der Großstadt erst eine bestimmte Offenheit gibt."