Die Stimmung im Auswärtigen Amt würde der Diplomat als gemischt bezeichnen. Einerseits herrscht zarte Genugtuung, dass die deutsche Außenpolitik unter Joschka Fischer medial, international und auch regierungsintern an Gewicht gewonnen hat. Andererseits wird das neue Selbstbewusstsein vielfältig getrübt: Die Globalisierung degradiert den deutschen Diplomaten tendenziell zu einem Vertreter unter vielen. Der Repräsentant von DaimlerChrysler oder Telekom gilt schon heute in manchen Teilen der Welt als der wichtigere Ansprechpartner. Die immer enger vernetzte Kommunikation raubt dem offiziell Entsandten seinen exklusiven Berichterstatter-Status

meist ist die Zeitung schneller, gelegentlich sogar klüger als die Depesche aus der Botschaft. Der klassische Diplomat erkennt sich nicht wieder. In fernen Ländern fühlt er sich nicht selten als Touristenbetreuer und Veranstaltungsagent für Delegationen, im europäischen Ausland zerrinnt ihm sein Dienst allzu oft zur puren Repräsentation, weil die eigentliche Politik in Brüssel gemacht wird. Vom Bild Napoleons, der die Diplomatie als "Polizei in Galauniform" apostrophierte, ist vielerorts nur die Galauniform geblieben.

Die Sinnkrise verschärft der Sparzwang. Vor allem die jüngeren Beamten erleben das Diktat des Finanzministers als Aufstiegsbremse. Manche verharren über zehn Jahre auf einer Besoldungsstufe. Das starre Dienstrecht verhindert Ausnahmekarrieren, wie sie in anderen Branchen möglich sind. Immer mehr Diplomaten suchen den Absprung, immer weniger Interessierte bewerben sich für die Attaché-Ausbildung.

In dieses Grummeln hinein sprach Joschka Fischer aufmunternde Worte. Als Vollblutpolitiker kennt er die Bedeutung des Prinzips Hausmacht. Auf der ersten Botschaftertagung in Berlin kündigte er an, den Dienst binnen zwei Jahren zu reformieren: flachere Hierarchien, mid career planning, strategische Personalplanung. Dynamische Stichworte, die den Diplomaten nicht unbekannt vorkamen.

Schon Klaus Kinkel hatte Arbeitsgruppen zur Dienstreform eingesetzt. Auch Fischers Klage an den Finanzminister, die Außenpolitik lasse sich nicht "auf kurzsichtige Buchführung reduzieren", klang vertraut im Diplomatenohr. Sein Vorgänger sah regelmäßig "das Ende der Fahnenstange" erreicht - und sparte dennoch weiter.

Noch genießen Fischer und sein Chefreformer - der zum Superstaatssekretär ernannte Gunter Pleuger - Kredit im Amt. Wort zu halten sollte ihnen leicht fallen. Denn ein motiviertes Corps stützt nicht nur die deutsche Außenpolitik, sondern auch jene, die sie ganz oben anleiten.