Der alte Herr hat noch ein Ziel im Leben. Und deshalb rast er über die Promenade, dass der junge Mann daneben fast auf der Strecke bleibt.

Schließlich soll grad der nicht merken, wie es wirklich um ihn steht. Dass sein Herz krank ist, dass er mürb und steif und müde wird. Augen zu und Stechschritt marsch! - das hat er immer so gehalten. Denn aufgeben gilt nicht, schon gar nicht kurz vorm Ziel.

Es ist eine ganz beiläufige Szene, der wir hier beiwohnen. Und doch enthält sie den gesamten Konflikt, den unser Film heiter und elegant, zuweilen aber auch ernst und dramatisch beschreibt: den Konflikt zwischen Alt und Jung, Tradition und Freiheit, Vorschrift und Individualismus.

Nichts als Lügen und Geheimnisse: Da treibt die hanebüchene Disziplin des Älteren den Jüngeren gleichfalls in die Selbstverleugnung. Da führt das zu immer groteskeren Verwicklungen, bis jeder nur noch blind voranstürmt. Da kommt es endlich zum Befreiungsschlag des Jüngeren - und plötzlich atmen alle auf.

Am Ende hat ein Vater zwei Söhne, und ein Baby hat zwei Väter. Und wenn das auch kompliziert erscheint, so ist es doch nicht hoffnungslos.

Wenn der (Selbst-)Betrug ein Ende hat, wartet bereits das wahrhaftigere Leben - dieses Thema hat der Regisseur mehrfach durchgespielt. Mal ging er dafür ins 18. Jahrhundert zurück, mal in die siebziger Jahre. Und fand dabei immer wieder jene dichten, präzisen Momentaufnahmen, in denen ein ganzer Roman zu einem einzigen Bild gerinnt. In einem schrecklich-schönen Wintermärchen zum Beispiel zeigt er ein Mädchen, das selbstvergessen auf seinem Fahrrad durch die Gegend flitzt. Und in dieser Sekunde begreift man, woran es allen andern mangelt.

Wie heißt der erste Film?