Zwei Nachrichten sind es, die im Nachsommer unserer Neugier auf sich aufmerksam machen. Beide haben nichts gemein, aber viel miteinander zu tun.

Die Zeitschrift Nature meldet, an der Brandeis University in Waltham/Massachusetts stehe ein Forscherpaar strahlend an der Wiege unserer Zukunft. Die Wissenschaftler haben ein glückliches Roboterwesen geschaffen, das in der Lage ist, sich wie von Geisterhand, ganz ohne menschliches Zutun, auf natürlichste Weise zu vermehren und seine Art am Leben zu erhalten bis ans Ende der Zeit. "Es ist verblüffend, welche Vielfalt dabei entsteht", staunen die Forscher und loben die Schöpfung. Der artige Reduplikant vermag sich nämlich selbst zu begehren und dauerhaft fortzuzeugen, wobei hormonelle Empfindungen so überflüssig sind wie ein Absturz der Festplatte bei Vollmond.

Wann immer es ihm gefällt, hält der Automat Zwiesprache, erschafft aus einer Metallrippe eine Gefährtin und begehrt sie naturgemäß aus der Tiefe seines Programms. Und alles wird gut.

Auch die zweite Kunde vernehmen wir mit jener stummen Apathie, die schon immer eine Schwester der Panik war. Ein Literarisches Quartett, aber nicht nur dieses, hat glaubhaft ermittelt, die Gegenwartsliteratur berichte nur noch vom Fiasko der Lust und dem Kollaps des Begehrens. Kurzum: Während Roboter in ihrer Wollust nicht zu zügeln sind, begnügen sich die dazugehörigen Menschen mit erotischer Selbstbewirtschaftung und maschinellen Übungen. Wenn überhaupt, dann steigen die Chimären der Lust nur kurz an die Oberfläche des Alltags, um nach Vollzug einzutauchen ins große Meer der Gleichgültigkeit. "Er lässt es geschehen und wehrt sich nicht." So hat man im formatierten Menschenpark ein Lüstchen für den Tag, eines für die Nacht - und eine Heidenangst. Denn alle, die gesamte literarische Welt, vorneweg jener peinliche Zotenmeister, der im Quartett verrückt ist nach steilen Stellen, scheinen nichts mehr zu fürchten, als vom Begehren verlassen zu werden, von der letzten heiligen Autorität, an die zu glauben nie vergebens war.

Nicht mehr begehren zu können: darin liegt alle Furcht und aller Schrecken.

Vielleicht hängt die Hysterie, mit der Geisteswissenschaftler und Feuilletons nach dem autoerotischen Roboter verlangen, mit dieser Misere zusammen.

Bekanntlich begehrt man immer nur das Begehren des Anderen, aber offenbar ist die humane Einbildungskraft derart beschädigt, dass nun Roboter als die letzten, wahrhaft begehrenden Wesen erscheinen. Denn ihren Code, den verstehen wir. Vorausgesetzt, so betonen Forscher, sie hatten "eine stabile Umwelt, eine Art Kindheit", in der sie Verhaltenssicherheit lernen konnten, auch Bindungen. Menschen seien dafür leider nicht geeignet.