Warschau

Bitter oder patzig der Ton, niedergeschlagen bis hochfahrend die Stimmung: Polen fühlt sich von der Europäischen Union schlecht behandelt. "Die Antworten der anderen Seite sind keine, vielmehr stellt man uns immer neue Fragen", schimpft Jan Kulakowski, Chefunterhändler seines Landes bei den EU-Beitrittsverhandlungen. "Wenn uns die Union bis 2003 nicht als Mitglied haben will, soll sie das offen sagen. Wir jedenfalls halten an diesem Zieldatum für unseren Beitritt fest."

Seit Juni ist es bei den Beitrittsverhandlungen ernst geworden.

Landwirtschaft, Umwelt oder Freizügigkeit der Arbeitnehmer, erstmals werden die besonders kniffligen unter den 31 Kapiteln des Acquis communautaire aufgeschlagen, des Regel- und Rahmenwerkes der Union. Der Ton wird darum schärfer. Noch immer haben sich die 15 Clubmitglieder gegenüber dem Dutzend Bewerber nicht auf ein Datum festlegen wollen, an dem das erste Land im Kreis der Brüsseler seinen Platz einnehmen soll

in EU-Kreisen wird immer häufiger 2005 oder 2006 errechnet, Ratifizierung inklusive.

Polen wittern das Vorurteil: Ihr arbeitet nicht genug!

Hier Zaudern, dort Zorn. "Die Stereotype sind stärker als die Realität", sagt Staatspräsident Aleksander Kwaniewski und wittert die Rückkehr uralter Vorurteile. "Klingt das derzeit nicht wie: Ihr Polen arbeitet nicht genug?"