Frau zu sein ist schon eine feine Sache: Man darf alles, bekommt alles und hat die Männer fest im Griff - vorausgesetzt, man ist unter 30, sieht aus wie ein Elite-Model und trägt Wonderbra. Das ist die putzige postfeministische Botschaft von Coyote Ugly, dem Spielfilmdebüt des US-Werbefilmers David McNally. Der jüngste Zögling aus dem Stall des Erfolgsproduzenten und Actionspezialisten Jerry Bruckheimer hat seine Lektion bereits gelernt: Wer die Masse erreichen will, sollte sie nicht mit unnötigen Subtilitäten belästigen. Es muss nur ordentlich krachen, und wenn schon keine Autos in die Luft fliegen, sollten zumindest ein paar Sexbomben detonieren. 90 Minuten lang bekommt der Zuschauer geballte Girlie-Power geboten: fünf zuckersüße kleine Schlampen, die unentwegt sehr enthemmt und nicht sehr bekleidet auf der Theke der New Yorker Bar Coyote Ugly tanzen, gelegentlich Eiswürfeleimer über der kochenden Menge ausleeren und, nun ja, nicht gerade an den Intellekt des vorwiegend männlichen Publikums appellieren. Bei einem Film, der wie ein Campari-Werbespot aussieht, kommt es auf die Story nicht so an, werden sich die Macher gedacht haben, schließlich geht es in diesem "Gute-Laune-Movie" vor allem um "coole Sprüche, heißes Dancing, wilde Romantik" (Presseheft). So wird noch einmal - in einer Art Aschenbrödel-Version für die MTV-Generation - die uralte Geschichte vom naiven Landei erzählt, das vom big deal in der großen bösen Stadt träumt. Die paar Hindernisse, die sich Violet (Piper Perabo) in den Weg stellen, sind nicht der Rede wert und schnell überwunden.

Am Ende mutiert das verhuschte schöne Kind zur verwegenen rock-bitch, den lukrativen Plattenvertrag in der Tasche. So einfach ist das. Immerhin bleibt es das Verdienst von Coyote Ugly, dem Begriff der Frauenbewegung einen erfrischend neuen Sinn gegeben zu haben.