Wenn Deutschland in der Welt einen schlechten Eindruck macht, bimmeln bei der deutschen Tourismuswirtschaft die Alarmglocken. Gleich zwei Branchenverbände veröffentlichten kürzlich flammende Appelle gegen Rechtsextremismus und fremdenfeindliche Gewalt. Claudia Gilles, Geschäftsführerin des Deutschen Tourismusverbandes, warnte vor nicht wieder gut zu machenden Imageschäden für den Tourismusstandort Deutschland und der Bundesverband der Tourismuswirtschaft sorgt sich darum, dass Neonaziverbrechen speziell Amerikaner und Israelis von einer Reise nach Deutschland abschrecken könnten.

Die Deutsche Zentrale für Tourismus (DZT), die in ihren ausländischen Filialen nicht nur für das Reiseziel Germany wirbt, sondern auch die dortigen Medien im Auge hat, registrierte laut Sprecherin Beate Kilian erstaunlich moderate Reaktionen und eine überwiegend sachliche Berichterstattung - bis jetzt. Das kann sich natürlich ändern, sobald ein ausländischer Tourist Opfer eines fremdenfeindlichen Angriffs werden sollte.

Von einer internationalen Pressekampagne, wie Österreichs Fremdenverkehr sie nach der Regierungsbeteiligung der rechten FPÖ erlebte, ist die Bundesrepublik bisher verschont geblieben.

Das Astron-Hotel in Dessau mit 300 Betten und 25 Prozent ausländischen Gästen meldet drei Monate nach dem Neonazimord an Alberto Adriano, einem Mosambikaner, der in der Stadt lebte, business as usual. Ich befürchte nicht, dass uns Buchungen wegbrechen, sagt Manager René Stolle. Aber besorgte Fragen an der Rezeption gab es schon, ob es sicher ist, allein hinaus zu gehen.

Bis auf Widerruf scheint sich der Aufwärtstrend bei den ausländischen Touristen in Deutschland auch im sechsten Jahr nacheinander fortzusetzen.

Seit 1995 stieg die Zahl der internationalen Ankünfte von 15 auf über 17 Millionen pro Jahr, und für die ersten sechs Monate dieses Jahres ermittelte das Statistische Bundesamt ein weiteres Plus von sechs Prozent.

Verglichen mit der europäischen Konkurrenz übt Deutschland auf ausländische Besucher jedoch eine erschreckend geringe Anziehungskraft aus. Die anderen bevölkerungsreichen EU-Länder Frankreich (71 Millionen Besucher), Spanien (52 Millionen) und Italien (36 Millionen) locken ein Vielfaches an internationaler Klientel an. Und selbst Großbritannien, dessen Wetter kaum als Touristenmagnet taugt, zählt heute 40 Prozent mehr einreisende Touristen als die Bundesrepublik.