Eigentlich bin ich schon länger zurück aus Porto, aber weil ich einige Ausgaben von dir nicht gekauft hatte - entschuldige, aber ich hatte ziemlich zu tun und bin kaum zum Lesen gekommen -, wusste ich nicht, dass ich dir etwas mitbringen sollte.

Schau, ich habe dir etwas mitgebracht: einen schönen Plastikhammer. Er ist dunkelblau, und sein Stiel teilt sich dort, wo der Kopf anfängt. Wie bei einer Wünschelrute. Dieser Hammer hat also zwei Köpfe, beide in dekorativem Goldgelb. Jeder Kopf hat ein kleines Loch, damit die Luft aus ihm entweichen kann. Wenn ich dir mit dem Hammer auf den Kopf schlage, macht er ein vergnügt quietschendes Geräusch. Und du vielleicht auch.

Es ist kein normaler Hammer. Normale Spaßhämmer haben nicht diese schmucke Wünschelrutenform, sehen billiger aus und sind meist in ekligen Farben. Viele haben eine Trillerpfeife eingebaut. Einige sind auch aufblasbar und dann viel größer. Damit kann ich dir natürlich lange nicht so gezielt auf den Kopf hauen, und quietschen tut's auch nicht. Aber man kann vielfältige Dekore auf diesen großen Hämmern aufbringen sehr beliebt - vor allem bei der portugiesischen Jugend - ist zum Beispiel ein Starsand-Stripes-Motiv, was bei uns ja schon seit 20 Jahren nicht mehr so en vogue ist, weder bei Hämmern noch auf T-Shirts oder so. Das Peinlichste, was ich gesehen habe, war ein Borussia-Dortmund-Hammer.

Also, dieser Hammer ist der Offizielle 2001-Hammer. Ist wirklich wahr.

Porto teilt sich im nächsten Jahr mit Rotterdam stolz den Titel Capital Europeia da Cultura, was im Niederländischen natürlich anders heißt, denn die Holländer sind ja keine Portugiesen, um einmal ein berühmtes Beckenbauer-Zitat abzuwandeln. Und für diesen Titel wird alles devotionalisiert, selbst ein Plastikhämmerchen.

Es war übrigens sauschwer, jetzt noch so einen Hammer zu bekommen er ist nämlich ein absoluter Saisonartikel und eigentlich nur im Juni zu kriegen.

Aber eine gute Freundin hat mir ihren überlassen. Jedes Jahr in der Nacht vom 23. auf den 24. Juni feiern die Portoenser ihr Fest zu Ehren des Schutzheiligen der Stadt, welches der gute alte SÆo JoÆo ist. (Für Lissabon ist jemand anders zuständig, aber ich weiß im Moment nicht, wer.)