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Der thailändische Forscher Pitikhate Sooraksa hat einen Roboter entwickelt, der schießen kann. Der Ingenieur vom King Mongkuts Institute of Technology in Bangkok hat seinen "Roboguard" - eine motorgesteuerte Kamera - mit einer Pistole ausgestattet. Der künstliche Schütze kann via Internet (passwortgeschützt) dirigiert werden, aber auch autonom handeln. Dann nehmen Kamera und Waffe die Zielperson mithilfe von Infrarotsensoren ins Visier. Der Professor will den Roboter für die Verbrecherjagd einsetzen. Bei der Polizei und beim Militär könne er gute Dienste leisten.

die zeit: Herr Sooraksa, britische Forscher warnen vor Ihrem "Roboguard" und fordern bereits Gesetze gegen den Einsatz autonomer Roboter. Die Gefahr sei zu groß, dass solche Maschinen ihre Waffen unkontrolliert gegen Menschen richten.

Pitikhate Sooraksa: Solche Roboter dürfen selbstverständlich nur unter strengster Geheimhaltung und Kontrolle eingesetzt werden. Ich persönlich bin überzeugt, dass das Militär in vielen Staaten - wie etwa in den USA - an diesen Robotern arbeitet. Diese Art von Forschung wird meist nicht öffentlich betrieben.

zeit: Der Science-Fiction-Autor Isaac Asimov hat 1940 drei Roboterregeln aufgestellt, die alle besagen: Roboter dürfen auf keinen Fall einen Menschen angreifen. Wie wollen Sie verhindern, dass "Roboguard" einen Menschen schädigt?

Sooraksa: Der Mensch soll auf jeden Fall die Kontrolle über den Roboter behalten. Über Passwörter und verschiedene Sicherheitsstufen verhindern wir, dass jemand den Roboter bedient, der nicht autorisiert ist. Der Roboter hat zwar einen autonomen Modus, er kann im Prinzip auch ohne menschliche Kontrolle agieren. Aber diesen Modus setzen wir nicht ein.

zeit: Ihr Wort in Gottes Ohr. Warum haben Sie denn "Roboguard" überhaupt entwickelt? Sie arbeiten doch auch an anderen, harmlosen Robotertypen, die für zivile Zwecke geeignet sind?

Sooraksa: Ein Land muss sich verteidigen können. Ich halte diesen Roboter für einen guten Beitrag zum Verteidigungssystem. Wir haben die Entwicklung als unabhängige Wissenschaftler geleistet, aber wir hoffen, die Technologie an das thailändische Militär oder die Polizei weitergeben zu können. Wir haben nicht vor, unser Wissen kommerziell zu verwerten. Damit kann verhindert werden, dass es zum Schaden von Menschen eingesetzt wird. Ich glaube aber auch, dass es wichtig ist, vor dieser Technologie zu warnen.

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zeit: Das scheint typisch für Wissenschaftler: zuerst eine Technik entwickeln, um danach vor ihr zu warnen. Was erhoffen Sie sich von "Roboguard"?

Sooraksa: Es ist aus der Sicht eines Forschers interessant, ein System zu haben, das ein Objekt als Ziel erkennen und genau darauf zielen kann. Der Befehl zum Schuss erreicht den Roboter über das Internet. Bislang gibt es noch Probleme, weil das Netz manchmal zu langsam ist und dann zwischen Zielen und Schießen zu viel Zeit verstreicht. Eine praktische Anwendung der Technologie ist aber folgende: Wenn ein Polizist auf seinem Monitor sieht, dass eine Bank überfallen wird, kann er bislang nur zuschauen. Mit dem "Roboguard" kann er sofort eingreifen, indem er den Roboter veranlasst, auf den Einbrecher zu schießen. Er kann ja Tränengas verwenden. Sollen wir die Welt den schlechten Menschen überlassen?

Das Gespräch führte Annette Leßmöllmann