Der Lieblingsdemoskop des Kanzlers mag kurze Sätze. Schlichte Botschaften werden von Manfred Güllner, dem Chef der Meinungsforscher von Forsa, in diesen Tagen ständig wiederholt. "Die Leute wollen Taten", sagt er gern oder: "Bisher hat der Reformkurs nicht geschadet." "An die sichere Rente glaubt sowieso keiner mehr" ist so ein Satz oder, bei besonders zaudernden Zuhörern: "Wer kneift, verliert."

Auf besonderen Wunsch von Gerhard Schröder hatte die SPD-Bundestagsfraktion den Meinungsforscher in dieser Woche eingeladen - offiziell zum Vortrag, inoffiziell wohl auch zur Stimmungsmache für die zweite Halbzeit der ersten Amtszeit, denn bei vielen Sozialdemokraten breitet sich eigentümliche Verzagtheit aus.

Schuld daran ist vor allem die bevorstehende Rentenreform von Arbeitsminister Walter Riester. Dessen Entwurf hat gerade erst der große SPD-Bezirk Westliches Westfalen mit klarem Votum zurückgewiesen. Das westfälische Abstimmungsergebnis gebe "exakt die Stimmung an der Basis wieder, die vielen Abgeordneten in der Sommerpause entgegengeschlagen ist", warnt der Exparteigeschäftsführer und Fraktionslinke Ottmar Schreiner: "Es gibt eine unglaubliche Unruhe in der Partei." Schröder nimmt solche Anzeichen ernst.

Nicht mal einen Staatssekretärsposten für die grüne Wirtschaftsexpertin Margareta Wolf mag er in diesen Tagen genehmigen - aus Angst, dadurch fühlten sich zu viele übergangene SPD-Hinterbänkler provoziert.

Anfang der Woche wurden bei einem Treffen des SPD-Präsidiums mit den Gewerkschaftschefs immerhin einige der größten Differenzen ausgeräumt.

Schon im Jahr 2001 sollen die Renten nun wieder mit den Nettolöhnen steigen, die staatliche Förderung der privaten Altersvorsorge soll noch deutlicher als bisher geplant nach sozialen Kriterien gestaffelt werden. Vor allem verabredeten Gewerkschaften und Regierung, die Betriebsrenten auszuweiten.

"Die betriebliche Alterssicherung wird durch unser Gesetz einen kräftigen Schub bekommen", glaubt Riester. "Für uns haben solche kollektiven Vereinbarungen Vorrang vor der Förderung der privaten Alterssicherung."