Während Außenminister Joschka Fischer gerade erst wieder für einen besseren Personalaustausch zwischen Politik und Wirtschaft plädierte, liegt Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul deswegen mit ihrem Personalrat im Clinch. Sie will Eckhard Deutscher, einen ausgewiesenen Entwicklungsfachmann der Deutschen Stiftung für internationale Entwicklung und dazu SPD-Mann, zur Weltbank nach Washington schicken. Prompt empörte sich der CDU-dominierte Personalrat über angeblich parteipolitische Personalpolitik. Ganz im Gegensatz zu 1998, als der damalige Entwicklungsminister Carl Dietrich Spranger (CSU) noch nach der verlorenen Bundestagswahl Schlüsselstellungen mit Parteileuten besetzte?

Sprangers Nachfolgerin wird nun - Fall zwei - sogar angekreidet, dass sie eine Frau zur Abteilungsleiterin macht: die Chefin ihres Ministerbüros Ursula Schäfer-Preuss. Schon neidet man ihr den Gehaltssprung, angeblich um zwei Stufen von B 3 (Ministerialrat/10 900 Mark monatlich) nach B 9 (Ministerialdirektor/15 200 Mark). Dabei bekommt sie erst mal nur eine Dirigentenstelle (B 6/13 000 Mark). Lächerlich - Fall drei - ist die Aufregung darüber, dass der persönliche Referent der "roten Heidi", Uwe Gehlen, die Stelle von Schäfer-Preuss übernimmt. Der sei doch erst zwei Jahre im Haus, heißt es.

Die Verärgerung hat indes auch tiefere Wurzeln. Zum einen hat Wieczorek-Zeul damit begonnen, hierarchische Strukturen abzubauen. Die Zahl der Unterabteilungen - von Fachleuten ohnehin für überflüssig gehalten - verringerte sie von zehn auf sieben, womit manche Beförderung im Stau stecken bleibt. Erschwerend kommt hinzu, dass sich die Arbeit gegenüber den Zeiten unter Spranger nahezu verdoppelt hat - und das mit etwa zehn Prozent weniger Stellen. Wenn sich dann eine Ministerin an ihrem Hauptsitz Bonn so selten blicken lässt wie Heidemarie Wieczorek-Zeul, kommt der Unmut beim Personal nicht überraschend. hff