Es ist wieder so weit. Großes Jammern und Wehklagen, denn der Ölpreis ist durch die Decke gebrochen. Ein Liter Sprit kostet um zwei Mark, der Preis für 100 Liter Heizöl kratzt an der 100-Mark-Marke

und weil der Gas- am Ölpreis hängt, ist auch nicht auf der sicheren Seite, wer seine vier Wände längst nicht mehr mit flüssigem, sondern mit unsichtbarem Brennstoff wärmt. Alle Energieverbraucher, nicht nur die 82 Millionen Deutschen, werden derzeit ärmer. Ärger und Verzweiflung sind die Folgen - und das unschöne Gefühl, ein gutes Vierteljahrhundert nach der ersten Ölpreiskrise noch immer am Tropf von wenigen Ölscheichs zu hängen.

Unterfüttert werden der Volkszorn und das Gefühl der Ohnmacht von vielen Politikern der energiehungrigen Nationen: Während die Regierenden von Industriefunktionären und Oppositionspolitikern wegen der vermeintlich zu hohen Steuern auf Energie attackiert werden, setzen sie alle Hebel der Diplomatie in Bewegung, damit in Zukunft mehr Öl aus dem Boden ferner Länder sprudelt - und der Ölpreis wieder sinkt. Denn mehr als 30 Dollar pro Fass à 159 Liter - das ist fast dreimal so viel wie noch vor zwei Jahren. Deshalb starren nun alle auf den 10. September und hoffen, dass die elf Ölminister der Organisation erdölproduzierender Länder (Opec) sich an diesem Sonntag dazu entschließen, mehr zu fördern.

Die Energiepolitik legt damit nicht nur Zeugnis ihrer Hilflosigkeit ab.

Schlimmer noch: Sie nährt erstens die Illusion, die Zeiten des billigen Öls könnten rasch und dauerhaft wiederkehren, wenn nur die Scheichs Wohlverhalten an den Tag legten. Und zweitens offenbart die Sehnsucht nach mehr, nach billigerem Öl ein tiefes Unverständnis dessen, wozu Energie dient: zur Bereitstellung von Energiedienstleistungen wie Wärme, Licht oder Bewegung.

Dazu gilt es aber keineswegs, möglichst viel Rohstoff billig zu importieren und anschließend mit geringem Wirkungsgrad umweltbelastend zu verbrennen.

Schmutzige Importenergie lässt sich vielmehr durch eine heimische Ressource ersetzen: durch saubere Technik. Die einer Industrienation angemessene Antwort auf steigende Ölpreise ist deshalb der intelligentere Umgang mit Energie - und nicht das Bitten und Betteln darum, täglich ein paar hunderttausend Fass mehr Öl aus dem Boden zu pumpen.