Was anderes als Helfen- und Heilenwollen kann, sollte und muss die Richtschnur eines Arztes, eines Wissenschaftlers sein, der sich mit der Bekämpfung - bis dato - unheilbarer Krankheiten befasst? Diese Frage wird von Jan Roß nicht beantwortet, der in seinem Artikel, um es gelinde auzudrücken, mit einer Arroganz zu Werke geht, die ihresgleichen sucht. Was will der Autor uns eigentlich sagen?

Dass der Mensch schwach und unvollkommen ist, dass die derzeitige Debatte ihn an die "verhängnisvollsten Motive der kommunistischen Ideologie" erinnert oder dass die Menschheit sich vor einer "totalen Machtergreifung" auch über sich selbst schützen muss? Die möglichen Chancen neuer Forschungen werden vom Autor mir nichts, dir nichts vom Tisch gefegt und als "Perfektionsverheißungen" beziehungsweise "Utopie vom Neuen Menschen" ganz bewusst in die falsche Schublade gesteckt. Wäre der Leser auf dem gleichen argumentativen Niveau angelangt, so würde er wahrscheinlich danach fragen, wie Herr Roß argumentieren würde, wäre er selbst einer der aufgegebenen Kranken, über die er sich - ohne sie mit einem Wort zu erwähnen - demagogisch auslässt. Dazu nur so viel: Todkranke Menschen haben Lebenswillen, müssen Tag für Tag mit ihrer ganz persönlichen Todesangst umgehen und können ihre Schmerzen gar nicht verleugnen. Von daher bleibt es wohl das Geheimnis von Jan Roß, wie er den Kampf dieser Menschen gegen ihre Krankheit und deren Hoffnung auf zukünftige Heilungschancen als "Fetisch" und als "Obsession von Lebensgier" verunglimpfen kann. Angesichts dieser menschenverachtenden Thesen hilft auch das Heranziehen der Folgerichtigkeit der Lehre der katholischen Kirche rein gar nichts.

Christiane Jost, Bonn

Mit Erschrecken musste ich auf der Titelseite im ersten Satz das Wort "Schwachsinnige" lesen. Dieser Artikel befasst sich mit den neuesten Errungenschaften im Bereich der Genforschung - und verwendet ein solch altertümliches, in unserer Gesellschaft erniedrigendes und abwertendes Wort?

Da ich an einer Schule für Menschen mit geistiger Behinderung tätig bin, mag mir dieses Wort besonders negativ aufstoßen. Jedoch erscheint mir diese Wortwahl für eine angesehene und kritische Zeitung wie die Ihre als peinlich.

Alexandra Pössel Duisburg

Ich kann Jan Roß nur zustimmen: Der Zweck heiligt eben nicht grundsätzlich die Mittel! Es gibt allzu menschliche, gut gemeinte Zielsetzungen, die aber letztlich am Menschen in seiner seelischen (inneren, geistigen) Dimension vorbeigehen.