Wenn Carsten Bormann in letzter Zeit mal wieder nach Südostasien oder Australien reisen muss, dann besteht er auf einer Verbindung über Singapur.

"Über Bangkok fliege ich jedenfalls erst mal nicht mehr", sagt der Geschäftsführer eines Bremer Technologie-Zentrums. Mit Flugplänen, Flugsicherheit oder zollfreien Einkaufsmöglichkeiten hat Bormanns Entscheidung nichts zu tun. Was ihn nach Singapur zieht, ist unsichtbar.

"Wenn ich im Transitraum meinen Laptop einschalte, habe ich sofort eine Internet-Verbindung", schwärmt der Bremer, "da kann ich nach dem langen Flug schon beim Umsteigen endlich wieder meine E-Mail checken." Als weltweit erster Flughafen hat Singapurs Changi Airport am 21. März ein drahtloses Netz für den Internet-Zugang eröffnet.

In Flughäfen und Hotels gehört das Netz zum Service

W-LAN - Wireless Local Areas Network heißt die Technik, die den Laptop ohne Kabel mit dem Internet verbindet. Der technische Standard für ein solches "drahtloses lokales Netz" ist seit einigen Monaten weltweit genormt. Schon bald werden weltreisende Geschäftsleute in vielen Flughäfen und Hotels ihre Laptops ohne lästige Kabel und die verzweifelte Suche nach dem passenden Adapter für die Telefonbuchse benutzen - kostenlos wie Kaffee und Zeitungen, die schon lange zum Service gehören. Zwei Monate nach dem Flughafen in Singapur hat das Berliner Hotel Interconti den drahtlosen Internet-Zugang für Konferenzgäste eingerichtet. Und Carsten Bormann hat mit der Technik, die ihn in Singapur so begeisterte, inzwischen nicht nur die Büroetagen des Bremer Technologie-Zentrums ausgestattet. Auch die Bremer Stahlwerke lassen sich von ihm ein firmeninternes Netz aufbauen.

Das mit Abstand größte europäische W-LAN findet sich allerdings jenseits der geschniegelten Welt von Hotels, Flughäfen und Vorstandsetagen. Sein Herz pocht in einem abgeschabten Plattenbau in der Südstadt von Rostock. Hier ist das Institut für Technische Informatik der Rostocker Universität zu Hause.

"Ein Studium ist heute ohne Computer doch gar nicht mehr möglich", sagt Professor Djamshid Tavangarian, der Leiter des Instituts. Trotzdem müssen Rostocker Studenten bisher oft Schlange stehen, um an einen der begehrten Arbeitsplätze in den Rechnerräumen zu kommen. Das soll sich nun ändern.