Wenn sich in der nächsten Woche die Jugend der Welt in Sydney versammelt, um die Olympischen Spiele auszutragen, könnte man wegen des steigenden Absatzes neuer Farbfernseher meinen, dass der Hallen- und Rasensport hierzulande die beliebteste aller Freizeitbeschäftigungen sei. Dabei gibt es einen Wettbewerb, der uns Deutsche viel mehr interessiert: den Wettlauf mit dem Finanzamt um den Inhalt des Geldbeutels.

Hier gilt jedoch nicht der olympische Komparativ "höher, schneller, weiter", sondern die alte deutsche Volksweisheit "weniger ist mehr". Klar, dass diese von beiden Parteien des Wettstreits unterschiedlich interpretiert wird. Als zum Beispiel der jährliche Freibetrag für Zinseinkünfte auf 3100 Mark pro Nase halbiert wurde, freute sich die Finanzbürokratie wegen des Wenigers an Freibetrag über ein Mehr an Staatseinnahmen. Die Konsequenz einiger Steuerzahler war, sich unanständigerweise nicht an die Regeln des Spiels zu halten. Sie legten einfach weniger Geld in Deutschland festverzinslich an und transferierten es stattdessen an andere Orte des Globus.

Für uns Narren kommt dies natürlich nicht infrage, obwohl es ungerecht erscheint, dass unser sportlicher Kontrahent nicht nur als Wettkampfgegner auftritt, sondern gleichzeitig den Regelkatalog ständig aktualisiert und als Schiedsrichter fungiert. Deshalb sind auch die Ergebnisse unserer legalen Bemühungen weniger aufregend als die der Spielverderber mit Konten auf Jersey oder den Cayman-Inseln.

Aber das macht nichts, denn Dabei sein ist bekanntlich alles, und auch ein kleiner Erfolg ist geeignet, unser Selbstvertrauen zu stärken. Zugegeben: Ein bisschen Schadenfreude ist dabei, wenn wir dem Finanzamt legal ein Schnippchen schlagen können, und dazu bietet sich derzeit eine einfache Möglichkeit.

Wer nämlich seinen Freibetrag bereits ausgereizt hat und trotzdem für zwei bis drei Jahre weitere Gelder festverzinslich parken will, sollte sich an die oben erwähnte Weisheit erinnern und einfach wenig Zinsen verlangen. Wie das geht? Ganz einfach: Man muss Anleihen wie zum Beispiel die Serie 128 der im Jahr 1998 herausgegebenen Bundesobligationen kaufen. Als diese aufgelegt wurde, war das Zinsniveau niedriger als heute, und ihr Coupon betrug lediglich 3,75 Prozent. Weil eine sichere zwei- bis dreijährige Anlage derzeit um die 5 Prozent einbringt, notiert der Kurs der alten Obligationen unter Pari und beträgt bei der genannten Serie deutlich weniger als 97 Prozent. Wer sie bis zur Fälligkeit im Jahr 2003 hält, kann die Differenz zwischen Kaufkurs und Rückzahlungsbetrag steuerfrei als Spekulationsgewinn einsacken. Bei der Anlage von 50 000 Mark kann man also ganz leicht 1500 Mark völlig legal am Finanzamt vorbeimogeln. Damit lässt sich unter anderem der neue Farbfernseher für die Olympischen Spiele finanzieren. Dabei sein ist alles!

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