Der Katholik Leo Kirch schätzt Familienwerte, und die Mitglieder seiner wachsenden Sender-Großfamilie lernen sie schätzen: Wenn einer friert, rücken alle enger zusammen. Der Bezahlsender Premiere World zittert, weil trotz teurer Bemühungen die Zahl der Abonnenten kaum steigt. Das Deutsche Sportfernsehen steht dem Halbbruder bei: Sein Reportagemagazin InTeam widmete sich in den vergangenen Wochen der ersten Übertragung aller Bundesliga-Spiele auf Premiere World. Darin wurden selbst Radiokommentatoren zu Pay-TV-Förderern. Das differenzierte Fazit: Premiere World kann sich zu seiner Leistung beglückwünschen. ProSieben, noch eine Schwester, versucht übrigens gerade durchzusetzen, dass Werbung für andere Familienmitglieder nicht auf die zulässige Werbezeit angerechnet wird. Was für ein Unsinn! Wer macht für Geschwistersender in seinen Werbeblöcken Reklame, wenn er seine Magazine dafür missbrauchen kann?

Und wo bleibt das Positive? Hier: In über einem Dutzend Zeitungs- und Zeitschriftenredaktionen stockte regelmäßig montags morgens um zehn die Produktion. Um diese Zeit schaltete nämlich ProSieben sieben Wochen lang im Internet die neuen Aufgaben seines Sommerrätsels frei, das der Sender eigens für Journalisten entwickelt und erstaunlich aufwändig produziert hatte.

Zunehmend zerfressen von Ehrgeiz, machten sich die Teams an die Beantwortung von Fragen zu Wissenschaft, Alltag und Show (und natürlich ProSieben). Die Gewinner, die Kollegen von der Hörzu, fliegen zu einer Filmpremiere in die USA. Mit dem Spiel wollte die ProSieben-Programm-PR "den Kontakt zu Journalisten verbessern und durch den gemeinsamen Spaß auf eine private Ebene bringen", sagt die Leiterin Susanne Lang. Ob das Spiel im nächsten Jahr fortgesetzt wird, ist eine Frage des Geldes, noch mehr aber der Zeit. Auch bei den Pressesprechern kam die Arbeit zum Erliegen, wenn die Journalisten um Tipps bettelten. Aber schon der Spaß daran dürfte unbezahlbar gewesen sein.

Stefan Niggemeier (offline@zeit.de)