Oberst Ghaddafi ist neuerdings ein Menschenfreund. Anstelle von Bomben sendet er Lösegeld und ist anderen Staaten bei der Befreiung von Geiseln behilflich. Die Bundesregierung hat sich beim "libyschen Volk" und der "libyschen Führung" artig bedankt. Genau das war es, was Ghaddafi wollte: Respekt und Anerkennung.

An seinem neuen Image will der Despot nun systematisch arbeiten. Wie so oft sind ihm deutsche Firmen gern zu Diensten, in diesem Fall die bekannte PR-Agentur Hunzinger. Den Tourismus nach Libyen fördern, so soll ihr Auftrag lauten. Aber unvermeidlich ginge es dabei auch um "die bessere Vermarktung der führenden Persönlichkeiten des Landes, und da ist in Libyen ja nur eine Person zu sehen", sagt Hunzinger. Diktatoren-Marketing, was ist schon dabei?

Falls andere Hunzinger-Kunden, zum Beispiel der hessische Ministerpräsident Roland Koch von der CDU oder Verteidigungsminister Scharping von der SPD, daraufhin ihren Vertrag kündigen sollten, wäre das für die Agentur kein Problem: PR für Despoten ist ein Wachstumsmarkt. So sucht etwa die Militärjunta von Birma derzeit nach einem Image- und Marketingmanager, um der "ungerechtfertigten negativen Berichterstattung" über ihr Land entgegenzuwirken. In dem kürzlich in der Myanmar Times veröffentlichten Inserat verspricht die Regierung dafür "exzellente Bezahlung und ein Paket von Sondervergünstigungen". Die wird sich in der Tat verdient haben, wer aus dem ständig für Zwangsarbeit und Menschenrechtsverletzungen kritisierten Land einen internationalen Touristenmagneten machen kann.

Spiel nicht mit den Schmuddelkindern, textete einst Franz Josef Degenhardt und formulierte damit ein Grundprinzip der internationalen Politik. Der offiziellen jedenfalls. Denn in Wirklichkeit werden die Exempel moralischer Aufrichtigkeit nicht an China oder Russland statuiert, sondern allenfalls an Ländern von eher geringer Bedeutung. Doch auch der Versuch von Einzelhaft scheint den Schurkenstaaten kaum wirklich zu schaden. Zumindest nicht politisch: Ohne freie Wahlen, Opposition und internationalen Konferenzstress regieren Hussein, Ghaddafi und die birmesische Militärjunta viel länger und vermutlich auch entspannter als ihre Kollegen in demokratischen Staaten.

Was die Staaten zur Öffnung zwingt, ist allein ihr wirtschaftlicher Verfall.

"It's the economy, stupid" - Bill Clintons Merksatz gilt auch in zu 100 Prozent wahlkampffreien Zonen. Ob Taliban, Nord-Korea, Ghaddafi oder Birma-Junta - wer nicht Drogen oder Waffen verkauft, braucht normale Handelsbeziehungen, um sein Land am Leben zu halten. Und entgegen der offiziellen Kritik floriert das Geschäft mit den Unterdrückerregimen: Unterwäsche aus Birma, Öl aus Libyen - und jetzt eben Touristen.

Entweder volle Isolation oder vollständige Integration - die aufrechte Welt muss sich entscheiden, wer zur internationalen Gemeinschaft gehören soll und wer nicht. Alle Zwischenlösungen sind unehrlich. Und unwirksam, denn die betroffenen Staaten haben erkannt, dass sie mit der kontrollierten Ausweitung von Handel und Tourismus durchaus überleben können, ohne innenpolitische Veränderungen einleiten zu müssen. Nord-Korea hat gerade vorgemacht, wie man allein mit neuem Image und professioneller Inszenierung zum Darling der internationalen Presse aufsteigen kann. Die anderen Schmuddelkinder werden das auch wollen. Aber hoffentlich ohne deutsche Agentur.