Ende nächsten Jahres soll er nun endgültig kommen, der Euro. Aber diesmal wird es wohl nicht so harmlos über die Bühne gehen. Möglicherweise wird Blut fließen, vielleicht gibt es auch Tote. Glaubt man den Banken, wird nämlich die Unterwelt zuschlagen. Manche Ganoven gehen bei ihren Überfällen zwar sehr rücksichtsvoll vor. So wie der allseits geschätzte Ronald Biggs, der mit seinen Leuten 1963 den Postzug von Glasgow nach London so sauber ausgeraubt hat. Aber Leute wie Biggs sind selten geworden. Auch in seiner Branche herrscht heute eine beinharte Konkurrenz, da gedeihen keine gutherzigen Gauner. Beim Bankenverband rechnet man jedenfalls mit dem Schlimmsten. Die Versuchung, den Währungsumtausch für den einen großen Coup zu nutzen, dürfte immens sein. Niemals zuvor wurde so viel Geld durchs offene Land kutschiert.

In Deutschland befinden sich Banknoten und Münzen im Wert von rund 268 Milliarden Mark im Umlauf. Das entspricht 68 Güterzügen mit je 20 Waggons.

Und diese Summe muss gleich zweimal transportiert werden - hin in Mark und zurück in Euro. Oder umgekehrt. Dass man da anständiges Wachpersonal braucht, wenn man sein Geld behalten will, ist klar. Ein Geldbote mit Revolver und Gummiknüppel reicht da nicht aus. Da müssen Maschinengewehre und Panzerfäuste her. Deshalb wollen die Banken den Auftrag zum Geldtransport diesmal einem ganz besonderen Serviceunternehmen übergeben, einer Firma, die über alles verfügt, was man zum Geldtransport so braucht: über Schusswaffen aller Art, Panzer, Raketen, Kampfflugzeuge, U-Boote und Torpedos - die Bundeswehr eben.

Und wohlgemerkt: Die Truppe soll nicht etwa anrücken, weil die Banker fürchten, dass die Leute ihre D-Mark nicht hergeben wollen und mit Waffengewalt dazu gezwungen werden müssen. Nein, die Geldexperten haben wirklich nur Angst vor Räubern. Geldpolitisch erfahren ist sie ja, unsere Bundeswehr. Schließlich hat sie vor kurzem die D-Mark auf dem Balkan eingeführt. Da dürfte die Einführung des Euro an der Heimatfront für sie kein Problem sein. Wehrminister Rudolf Scharping scheint auch nichts dagegen zu haben. Er sieht darin vor allem eine willkommene Gelegenheit für die Soldaten, ein paar Mark hinzuzuverdienen, um sein knappes Budget aufzubessern. Allerdings mag er es überhaupt nicht, wenn man seine Truppe neuerdings als "Währungshüter" bezeichnet oder von "Bundeswähr" spricht. Aber wir wollen nicht mäkeln. Die Soldaten könnten zu Schlimmeren missbraucht werden als zu Geldbotendiensten. Obwohl wir uns freilich fragen, weshalb man vor Jahren extra ein Euro-Korps eingerichtet hat, wenn man es jetzt gar nicht einsetzt.