Deutsche Geschichte in Quellen und Darstellung, Band 8 - Kaiserreich und Erster Weltkrieg 1871-1918 hrsg. von Rüdiger vom Bruch und Björn Hofmeister Reclam Verlag, Stuttgart 2000 511 S., 21,- DM Wie las es sich, als Kaiser Wilhelm II. 1918 abdankte? Wie genau lautete jener Zeitungsartikel, der die "Krieg-in-Sicht-Krise" 1875 aulöste? Man sage nicht, solche Fragen seien immer leicht zu beantworten. Brauchbare Quellensammlungen sind selten und die Originalstellen in der Regel nur in großen Reihenwerken zu finden. Umso dankbarer muss man für den untersetzten Reclam-Band sein, der ein neues, auf elf Bände veranschlagtes Quellenwerk zur deutschen Geschichte eröffnet. Hier ist erst mal (fast) alles Wichtige zu finden: die Sozialistengesetze und Bismarcks Entlassungsgesuch, Fontanes Darstellung einer Fabrikantenvilla, der Schlieffenplan und das Daily-Telegraph-Interview - alles mit seinem Originalklang, der mehr als Information bietet: einen Eindruck von einer verschwundenen Gesellschaft.

Die Gegenwart des Krieges. Staatliche Gewalt in der Moderne hrsg. von Wolfgang Knöbl und Gunnar Schmidt Fischer TB, Frankfurt a. M. 2000 251 S., 26,90 DM Der soziologische Blick ist der kältestmögliche Zugang zu diesem heißen Thema. Der Krieg ist der Ausnahmezustand der Gesellschaft, darum treibt er sie weiter, darum macht er sie auch in ihren Strukturen und Tendenzen so erkennbar. Hier geht es um Krieg und Nationalstaat, Krieg und sozialen Wandel, Krieg und Demokratie und Krieg und Modernität. Weit entfernt von den aktuellen Gesinnungsdebatten, dient der konzise ausgewählte Band der Aufklärung. Wir müssen damit leben: Krieg war und ist Teil unserer Moderne.