Early Adopter haben's nicht leicht. Sie bezahlen meist viel Geld für die neuesten gadgets, doch die funktionieren dann nicht einmal richtig. Und nicht selten müssen sich die Nutzer der ersten Generation einer neuen technischen Errungenschaft auch noch den Spott ihrer Zeitgenossen gefallen lassen.

So könnte es auch denen gehen, die ab Ende September in Spezialboutiquen der Firma Levi's knapp 2000 Mark für ein Producer Jacket auf den Tisch legen, das weltweit erste "intelligente Kleidungsstück" für den Massenmarkt. Die von dem italienischen Designer Massimo Osti entworfene Jacke verbirgt in ihrem Inneren ein Mobiltelefon der neuesten Generation sowie einen MP3-Musikplayer, beide von Philips. Die Geräte sind miteinander verdrahtet, aus den Schultern lugen die beiden Ohrstöpsel hervor, und das Mikrofon steckt im Kragen. In Brusthöhe rechts steckt hinter einer Stoffklappe eine Fernbedienung, mit der der Träger sowohl das Handy als auch die Musik steuern kann. Er kann sogar den telefonischen Gesprächspartner am Musikgenuss teilhaben lassen.

Das Konzept der wearable electronics ist bisher vor allem aus Designstudien von Instituten wie dem MIT Media Lab bekannt - und natürlich aus Agentenfilmen. James Bond hat in seinem Smoking schon die tollsten Dinge verborgen. Der Träger des Producer Jackets (PR-Text: "Vorbild ist der Arbeitsalltag in der Film- und Musikbranche") sieht in dem sackartigen, von Reiß- und Klettverschlüssen strotzenden schwarzen Blouson eher aus wie Bonds Duisburger Kollege Horst Schimanski. Und auch der "Wow!"-Faktor, aus dem der Early Adopter sonst seine Befriedigung bezieht, ist hier eher mickrig: Wer nicht genau hinschaut, der hält den stolzen Besitzer einfach für einen Parkaträger, der einen Walkman in der Tasche hat.

Eigentlich ist es ja auch so. Denn die Bordelektronik der klugen Jacke besteht im Wesentlichen aus "normalen" Bausteinen, die in den zahllosen Innentaschen verzurrt wurden. Lediglich die Fernbedienung wurde eigens entwickelt. Vorteil der modularen Bauweise: Man muss nur Handy und MP3-Player abstöpseln und kann die Jacke samt Verkabelung in die Waschmaschine stopfen.

Wenn alles so funktionieren würde, wie es die Hersteller anpreisen, dann könnte der Jackenträger die elektronischen Innereien allein mit der Fernbedienung steuern. Den Musikplayer sowieso, und zum Telefonieren drückt er einfach das Telefonsymbol, sagt den Namen des gewünschten Teilnehmers (den er natürlich samt Nummer vorher abgespeichert hat), und die Spracherkennung im Telefon stellt selbsttätig die Verbindung her. Aber natürlich ist die Spracherkennung bei hohem Außengeräusch nicht sehr zuverlässig, und wenn eine nicht gespeicherte Nummer gewählt werden soll, muss man dann doch wieder an der Tasche nesteln und das Handy hervorholen, denn Ziffern versteht es noch nicht. Ein Display hätte der Fernbedienung auch gut getan, denn so fragt sich der Benutzer ständig, ob denn nun die Musik läuft oder ob das Handy gerade eine Verbindung aufbaut.

Aber das sind halt die Probleme einer Technik, die noch in den Kinderschuhen, Pardon, -jacken steckt. Die Produktmanager träumen schon von Kleidungsstücken aus leitenden Fasern, die als body net die gesamte Außenhülle des Menschen verkabeln, vom Energie erzeugenden Schuh bis zur Sonnenbrille mit Laserdisplay. Die nächste Runde kommt später in diesem Herbst: Dann wird Nike die ersten tragbaren Elektronikgeräte für den trendbewussten Jogger vorstellen.