Andreas Trödel war ein fauler Schüler. Seine Eltern ermahnten ihn deshalb ständig: Wenn du nicht aufpasst, wirst du später mal Straßenfeger.

Und so geschah es. Heute ist Trödel Handreiniger

so nennt die Berliner Stadtreinigung die Straßenfeger. 37,5 Stunden die Woche, täglich von 5.00 bis 13.15 Uhr, kümmert er sich um den Dreck auf Kreuzbergs Straßen und Grünflächen. Besen, Schippe und Müllkarre - derart gerüstet, sammelt er Zigarettenschachteln, Kippen, Büchsen und Einkaufstüten ein. Die Leute werfen einfach alles auf die Straße, erzählt Trödel. Die gehen zum Bäcker, und anstatt zu sagen: >Nehm ich auf die Hand<, lassen sie es einpacken.

Draußen packen sie es aus und werfen die Tüte auf die Straße. Einerseits wurmt ihn das achtlose Verhalten, andererseits ist er froh darüber - schließlich lebt der 28-Jährige bereits seit 7 Jahren davon, den Berlinern hinterher zu räumen.

Trödel hätte bis ans Ende seines Berufslebens in aller Stille vor sich hin kehren können. Doch dann startete sein Arbeitgeber vor anderthalb Jahren eine Kampagne. Plötzlich hingen überall Plakate, über die sich die ganze Stadt unterhielt. Vor grell orangefarbenem Hintergrund sah man freundliche Männer in BSR-Arbeitskleidung, darunter stand We kehr for you, Saturday Night Feger oder Drei Wetter tough. Mittlerweile gibt es Dutzende von Motiven und Wortspielen, in denen Fegi-Ritter, Laubburschen, Old Streuhands oder Men in Orange präsentiert werden.

Die Sprüche hat sich die Agentur Heymann & Schnell ausgedacht. Agenturchef Pieter Schnell erzählt, dass die BSR ursprünglich eine Kampagne in Auftrag gab, die den gemeinen Berliner zu mehr Sauberkeit erziehen sollte. Die Agentur fand es jedoch vermessen, gleich mit der Tür ins Haus zu fallen, erzählt Schnell. Der Auftraggeber war einsichtig und so wurden in den ersten beiden Phasen erst einmal ausführlich Mitarbeiter vorgestellt und die verschiedenen Dienstleistungen der BSR demonstriert. Erst in der aktuellen dritten Phase nimmt die Kampagne die Bekehrung in Angriff. Derzeit rufen die Plakate den Berlinern zu Mach's rein, Halte Stelle sauber oder Come to where the Eimer is. Unterdessen läuft im Kino ein Spot, in dem ein Außerirdischer auf der Welt landet, mit seinem grünen Fuß erst in eine glühende Zigarettenkippe tritt und sich dann in ein ausgespucktes Kaugummi verwickelt

nach dem Abflug lässt er unseren Planeten in Rauch aufgehen. Der Abspann appelliert: Auch Du kannst helfen, die Welt zu retten.