Kabarettisten sind nun einmal keine Schauspieler, sondern allenfalls Schausprecher. Wenn daher zwei Altvordern des Metiers ein Theaterstück über das scheiternde Comeback eines zerstrittenen Komiker-Duos vom Blatt spielen wollten - Dieter Hildebrandt und Werner Schneyder als Sonny Boys wären die ideale Fehlbesetzung. Dass aus ihrem späten Debüt kein grässliches Missverständnis wurde, ist freiwilliger Selbstbeschränkung zu verdanken.

Unter Teilverwertung der gleichnamigen Komödie von Neil Simon parodieren sie ihre Beziehungskiste im Irrealis der Angstfantasie und mimen ein in den siebziger Jahren beliebtes Gespann, das genauso passé ist wie das politische Kabarett überhaupt. Regisseur Jörg Hube, auch er ein Borderliner zwischen Schauspiel und Kabarett, hat ihnen dabei dezent in die Selbstreferenz hineingeholfen und zugleich verhindert, dass die Sabotagesprechakte nur Symptom einer déformation professionelle geworden sind. Im Münchner Cuvilliés-Theater, in dem die Produktion wegen anhaltender Raumnot der Kammerspiele logiert, retourniert Schneyder biovital seine eigenen Pointen, während Hildebrandt die radikalere Variante der Selbstfortschreibung in vitro erforscht. In einem pneumatischen Fernsehsessel endgelagert, die Miene zum Testbild erstarrt, ist er in eine Art Medienkoma emeritiert. Leben im Stand-by-Modus. Wenn Hildebrandt schließlich bei seinem Busenfeind einkommt, ohne Hut und Mantel abzulegen, auf dass die Bosheiten am voll imprägnierten Alter Ego abperlen, raufen sie, aber sie raufen sich nicht zusammen. So kreisen die Old Spice Boys in der Endlosschleife nur noch reflexhafter Revanchefouls. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann beben sie noch heute.