Expropriiert die Expropriateure! Russlands neue Enteignungswelle konzentriert sich auf einen bestimmten Unternehmertypus: den Tycoon. Nachdem vor wenigen Wochen der Medienzar Wladimir Gussinskij bei faktischer Konfiskation seiner Medienholding aus dem Lande geekelt wurde, greift der Kreml nun nach dem landesweit größten Kanal ORT. Dessen Hauptaktionär Boris Beresowskij heult laut auf. In einem offenen Brief beschuldigt er Wladimir Putin, Russlands "demokratischen Prozess" zu zerstören und die Medien unter die Kontrolle des Geheimdienstes zu stellen.

Es erinnert an Frankensteins Erschrecken über seine Kreatur, wenn ausgerechnet Boris Beresowskij den russischen Präsidenten anklagt. Hat nicht der Finanzmagnat den kleinen Agenten Putin zum großen Staatsmann erhoben?

Haben nicht Beresowskijs Medien Putins politische Gegner öffentlich hingerichtet? Hat nicht sein Kanal das Morden in Tschetschenien heroisiert?

Beresowskijs Entsetzen gilt nicht der Kreatur an sich, sondern der Tatsache, dass sie sich seiner Kontrolle entzieht.

Und dennoch ist der Angriff auf ihn alarmierend, ganz gleich, wie sehr Russlands Tycoons ihre Medien missbraucht haben. Flüchtete nach Gussinskij auch Beresowskij aus dem Land, verbliebe in Russland nur noch ein potenter Medienunternehmer: der Staat. M.T.