Ob sich Angela Merkel um die Zukunft ihres hessischen Parteifreundes Roland Koch Sorgen macht? Oder wittert sie in ihm schon ihren härtesten Konkurrenten? Selbstverständlich spricht die CDU-Chefin verteidigende Worte zum Stand der hessischen Finanzaffäre wie zu Kochs Unschuld. Der hessische Ministerpräsident revanchiert sich und wirbt, wo er kann, um Verständnis für die Startprobleme der neuen CDU-Vorsitzenden. Zwei Machtpolitiker unter sich.

Zwischen ihnen wird der Kampf um den künftigen Kurs der CDU ausgetragen - wenn Roland Koch nicht doch über die hessische Affäre stolpert und zurücktreten muss.

Seit Anfang des Jahres kämpft Roland Koch um seine politische Zukunft.

Zugeben würde er das nicht. Das ist nicht sein Stil. Lieber räkelt er sich gelangweilt auf der Regierungsbank im Hessischen Landtag, während die Opposition wieder einmal seinen Rücktritt fordert. Scheinbar ungerührt lässt er das an sich vorbeiziehen. Nervosität, die Ahnung gar, dass er am Ende vielleicht nicht durchkommen wird, lässt er nicht erkennen. Nahezu perfekt spielt er den, als der er gesehen werden will: einen, der allen Anfeindungen widersteht, der oben bleiben wird, weil er beschlossen hat, oben zu bleiben.

Natürlich hat Koch eine verantwortungsvoll klingende Begründung, warum er sich weigert, die politische Verantwortung für die Affäre zu übernehmen: "Ich will die Idee der Zukunft nicht durch die Vergangenheit zerstören lassen."

Könnte das auch ein Satz für Angela Merkel sein? In ihrem Kampf mit Helmut Kohl, dem in der Partei plötzlich wieder eine Rolle zuwächst? Mit ihm hat die Union ihre besten Tage erlebt. Und stärker als irgendwann in den vergangenen zwei Jahren sehnt sie sich heute nach dem Zustand, als die Macht ihr noch Sinn gab und die Partei zusammenhielt.

Inzwischen rückt die Vergangenheit, die die Zukunft zerstören könnte, immer dichter an Roland Koch heran. Nicht nur unter seinen Vorgängern hat es in der CDU gesetzeswidrige Parteienfinanzierung gegeben. Auch unter dem Vorsitzenden Koch wurden Spenden auf illegale Weise in den Haushalt eingespeist. Jetzt wird bekannt, dass in der Geschäftsstelle noch Anfang dieses Jahres ein Kassenbuch vernichtet und ein fingiertes neu angelegt wurden. Beachtliche Spenden aus der Industrie, die zur "Unterstützung Kochs" bestimmt waren, flossen an eine CDU-nahe Akademie. In einem Fall, der Deklarierung von Schwarzgeld als Darlehen, musste Koch sowohl seine Mittäterschaft beim Vertuschen wie seine vorherige Lüge eingestehen. An einem eindeutigen Beweis für Kochs Kenntnis der schwarzen Schweizer Konten fehlt es bis heute.